Der Markt-Forscher: Kauft Oliver Kahns rechten Arm! - DER SPIEGEL
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Der Markt-Forscher Kauft Oliver Kahns rechten Arm!

Eine Beteiligung von Adidas am FC Bayern wäre für beide Partner Gold wert. Vielleicht geben sie ja etwas davon ab.
Von Felix Asch
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

200 Kilometer weit weg von München wohnt der durchschnittliche Fan des FC Bayern, hat die "Süddeutsche Zeitung" ermittelt. Das entspricht genau der Entfernung zwischen der Adi-Dassler-Straße im fränkischen Herzogenaurach, Sitz der Adidas-Salomon AG, und der Säbener Straße in München, Heimat des FC Bayern. Passt optimal. Denn Adidas verwirklicht sich voraussichtlich den ultimativen Fan-Traum, zu zehn Prozent Besitzer des angehimmelten Vereins zu werden. Zehn Prozent, das heißt einen Zeh jedes Madrid-Bezwingers zu besitzen oder den ganzen Elber und den rechten Arm von Kahn und außerdem die "sexy knees" von Rummenigge und jeden zehnten Wutausbruch von Hoeneß - ein Sommernachtstraum für Fans des als "Stern des Südens" besungenen Klubs.

Aber das Fan-Motiv dürfte für den angepeilten Einstieg der Drei-Streifen-Firma beim Rekordmeister eine eher untergeordnete Rolle spielen. Wozu geht man eine solche Beteiligung ein? Als reine Finanzinvestition macht der Deal keine gute Figur. 150 Millionen zahlen, um sich ein Zehntel am zuletzt 17 Millionen Mark hohen Gewinn der Bayern zu sichern? Zwar besser als mancher Münchner Start-up-Deal, aber schließlich geht es hier um den FC Bayern und nicht um irgendein fcbayern.com. Nein, bei diesem Geschäft ginge es um eine so genannte strategische Beteiligung. Man kauft sich ein, um sich Treue und Wohlverhalten des Partners zu sichern und um anderen den Zugang zu verbauen.

Der FC Bayern ist einer der besten Werbeträger von Adidas. Zehn bis fünfzehn Millionen Mark lässt man es sich jährlich kosten, dass Kahn & Co. mit den drei Streifen am Trikot auflaufen. Dafür bekommt man Publicity und darf obendrein Produkte wie die gnadenlos überteuerten Trikots für den Fan-Shop liefern. Allerdings bietet bereits die Bundesliga-Konkurrenz ganz andere Dimensionen. Chemie-Gigant Bayer soll geschätzte 60 Millionen pro Jahr in seine 100-prozentige Fußball-Tochter stecken, berechnet den Werbeffekt der Kicker für den Konzern aber mit 150 bis 200 Millionen Mark pro Saison. Nun ist ein FC Adidas Bayern weit entfernt, aber wenigstens einen Teil eines neuen Stadions könnte man ja vielleicht nach einem strategischen Partner benennen. Oder einen der Adidas-Superstars nach München holen: Willkommen in der Adidas-Arena, Zinedine Zidane.

Bleibt ein Problem namens Konkurrenz, genauer gesagt Nike. Denn die sind Partner von 1860 München, dem sportlichen Lokalrivalen und Partner beim Stadionbau. Angeblich sollen die Amerikaner versuchen, sich auch an die Bayern anzudribbeln. Der Konzern mit dem "Swoosh"-Logo als Partner beider Münchner Vereine - da wäre es bis zur Nike-Arena nur noch ein Katzensprung gewesen. Also auch der zweite Nutzen der Beteiligung wäre für Adidas Gold wert: Das seit 35 Jahren beackerte Bayern-Terrain gegen Angriffe aus Übersee zu sichern.

Wer bei diesem Spiel als sicherer Sieger feststeht ist auch klar. Bayern-Manager Uli Hoeneß. Denn der angepeilte Deal bringt nicht nur Geld, sondern lässt auch ein Höchstmaß an Unabhängigkeit bestehen. Dortmund legte einen mäßig erfolgreichen Börsengang aufs Parkett. Andere Vereine verkaufen in aller Stille ein Viertel der Einnahmen auf zehn Jahre hinaus an Sportvermarkter wie die Ufa. Hoeneß bekäme einen altbekannten Partner und einen Sack voll Geld und behielte trotzdem die volle Kontrolle. Also, lieber Uli H., jetzt habt Ihr schon den Europacup gewonnen und den besten Deal der Liga am Haken. Damit könnte man doch mal zufrieden sein und wenigstens nächstes Jahr die Meisterschale auf Schalke oder sonstwo lassen.