Der Markt-Forscher Nichts ist unmöglich...
Firmen lassen eigentlich kaum etwas unversucht, um ihre Produkte ins Fernsehen zu bringen. Am besten außerhalb des Werbeblocks. Product Placement nennt man es, wenn James Bond plötzlich nur noch bayerische Motoren aufheulen lässt oder reiche Texaner immer in bestimmten Geländewagen vorfahren. Sponsoring nennt man es, wenn Medienstars so sehr mit Markenzeichen behängt werden, bis keine Kameraperspektive mehr daran vorbeikommt.
Aber wie nennt es eigentlich Toyota, wenn stolze afghanische Kämpfer monatelang durch fast alle Hauptnachrichten der Welt auf ihren Hilux-Pick-ups oder in Land-Cruisern rauschen?
"Toyota hat keinerlei Vertriebsweg nach Afghanistan und exportiert keine Autos in dieses Land", heißt es in einer Presseerklärung, die der japanische Autobauer noch im September herausgab. In den letzten fünf Jahren sei nur ein einziger Land-Cruiser offiziell nach Afghanistan gegangen, und zwar 1997. Der Rest müsse über dunkle Kanäle nach Afghanistan gekommen sein, so die Mitteilung des Unternehmens.
Doch wo ein heiliger Wille, da auch ein Weg. Auf der Fahrt durch grenznahe pakistanische Provinzen verloren Autotransporte wie durch ein Wunder Hunderte der gelobten Pick-ups und Geländewagen. Von Osama Bin Laden wird berichtet, dass er sich die Gunst vieler Taliban erkaufte, indem er rund dreitausend gebrauchte Toyota Corolla an folgsame Krieger verschenkte. Auch der Terroristenführer selbst zeigt auf den wenigen öffentlichen Bildern, was er für ein gutes Auto hält. Er fährt Land-Cruiser, das weiß mittlerweile die ganze Welt.
Wade Hoyt, amerikanischer Sprecher von Toyota, hat nichts dagegen. "Es ist vielleicht nicht unser stolzestes Product Placement," sagte er der "New York Times", "aber es zeigt, dass die Taliban auf die gleichen Merkmale achten wie jeder Kunde: Langlebigkeit und Verlässlichkeit."
Recht hat er. Alle weltlichen Errungenschaften haben die tumben Gotteskrieger umgemäht, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Computer und Fernseher bekamen Gewehrkolben in den Bildschirm, Videokassetten wurden aufgeknüpft. Die japanischen Pick-ups standen dagegen als probate Mittel für vermeintlich heilige Zwecke niemals in Frage. Schnell, wendig, robust und geländegängig sind sie den Bauernsöhnen als Geschenk des Himmels ans Herz gewachsen - Toyota ist gut für Dschihad.
Nicht nur dafür: "Wir lernten, die Taliban-Autos zu erkennen. Getönte Scheiben, verchromte Spoiler und Zierstreifen. Wie reiche Kinder, die Papas Auto zu einer Spazierfahrt ausführen", schrieb der Afghanistan-Reisende Robert Young Pelton im März 1999 in sein Tagebuch. Und spätestens hier ist Texas ganz nah. Mit höher gelegter Karosserie, großen Reifen und kräftigen Motoren demonstrierten nicht nur die Taliban ihre Macht über die Straße. Gerade in Texas ist die Pick-up-Dichte auf amerikanischem Rekordniveau. Abertausende dieser traktorartigen Gefährte mit verchromten Kängerufängern pendeln dort täglich vom Carport der Doppelhaushälfte in die Tiefgarage des Arbeitgebers und zurück. Der Pick-up ist geradezu die texanische Interpretation des American Way of Life: einsam, mobil, wehrhaft.
Wäre es um Autos gegangen, dann hätten sich Taliban-Anhänger und Texaner wohl viel zu erzählen gehabt über Zierstreifen und verchromte Spoiler, über Verlässlichkeit und Langlebigkeit. Vielleicht kommt die Zeit ja noch, in der alle Menschen der Welt akzeptieren können, dass gemeinsame Liebe zum Auto mehr bringt als blinder Hass aufeinander. Nichts ist unmöglich...