Der Markt-Forscher: Persil - da weiß Mann, was man hat - DER SPIEGEL
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Der Markt-Forscher Persil - da weiß Mann, was man hat

Der alte Persil-Mann hat ausgedient. Im neuen Spot wäscht der Mann die Wäsche und sieht noch gut aus dabei. Eine kleine Revolution bahnt sich an.
Von Felix Asch
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Vergessen wir für einen Moment, dass es in deutschen Unternehmen weniger als ein Prozent weiblicher Vorstände gibt. Die Gleichberechtigung hat einen großen Sieg errungen: Im neuesten Persil-Werbespot wäscht ein beruflich erfolgreicher Mann die Wäsche, er hat sogar Erziehungsurlaub genommen. Ein großer Schritt für den Mann, ein großer Schritt für die Gesellschaft. Immerhin geht es um Persil, die Mutter der Fernsehwerbung und bis vor kurzem Bastion einer althergebrachten Rollenverteilung.

Persil und Mann - das war über Jahrzehnte hinweg eine klare Sache: Persil -Mann mit gestreifter Krawatte und vorabendliche Ratschläge zur Weißwäsche: "Da weiß man, was man hat". Der Persilmann ist so tief im kollektiven Gedächtnis verankert, dass ihn auch 26 Jahre nach seiner ersten Erscheinung auf dem Bildschirm und sechs Jahre nach seinem endgültigen Abschied noch jeder Zweite kennt. Aber der Persilmann beim Befüllen einer 60-Grad-Trommel ohne Vorwäsche mit Extraschleudern - das hätten sich wohl nicht mal die Frauen vorstellen können, die ihm waschkorbweise Heiratsanträge schickten.

Der neue Persil-Mann wäscht gekonnt und bügelt flott. Kein Anzeichen von mutwilliger Inkompetenz im Haushalt, auf dass ihm dieses "Gedöns" wieder abgenommen werde. Keine Frage, da will einer seinen Job zur vollen Zufriedenheit der anspruchsvollen Kunden, Frau und Tochter, erledigen. Auch für die Frauen eine ganz neue Rolle - nach Hause kommen, wenn alles schon gemacht ist.

Frauen traten in der 94-jährigen Geschichte der Persil-Werbung zunächst als strahlende "Weiße Dame" auf grünen Emailschildern auf. 1956 durfte Liesl Karlstadt im ersten Werbespot der deutschen Fernsehgeschichte ihr männliches Gegenüber als "Saubär" maßregeln, weil er die Tischdecke bekleckerte. Sonst aber war der Weg der Frau klar vorgezeichnet: Dem Persilmann glauben - Persil kaufen - Wäsche waschen - Mann glücklich machen.

Und jetzt? Persil-Hersteller Henkel und die Werber von BBDO zeigen einen Mann, der so gar nichts mehr mit latzhosigen Hausmann-Karikaturen gemein hat. Das hilft der Vereinbarkeit von Familie und Beruf mehr als jedes noch so gute Bundeserziehungsgeldgesetzreformvorhaben. Die größten Hindernisse für solche neuen Persilmänner sind doch nicht schnöde Geld- oder Zeitfragen. Die wahre Hürde ist, dass er in echten Unternehmen und bei echten Kollegen sicher noch das eine oder andere "Warmduscher!" zu hören bekäme.

Wenn aber sogar in der tausendfach per Umfrage getesteten Normalität einer Waschmittelwerbung solch neue Familienformen auftauchen, dann scheint sich eine Wende anzudeuten. Bestimmt werden bald mehr als zwei Prozent der Erziehungsurlauber dem so genannten starken Geschlecht angehören. Für Unternehmen und Arbeitskollegen, die das nicht einsehen wollen gibt es nur noch eine Lösung: Persil-Tabs - die sollen gegen Kalkablagerungen helfen.