Der Markt-Forscher: Schröders stillose Lufthansa-Liaison - DER SPIEGEL
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Der Markt-Forscher Schröders stillose Lufthansa-Liaison

Die erste Reihe von Wirtschaft und Politik ist in einer Anzeigenserie für die Lufthansa schaugelaufen. Doch Stoiber, Schröder und Konsorten haben in der Werbung rein gar nichts verloren.
Von Felix Asch
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Prominente Werbeträger einzusetzen, ist immer eine zweischneidige Sache. Man kann Glück haben und sich die blonden Herzbuben Gottschalk oder den spröden Liebling Krug sichern. Oder man greift voll daneben, weil Trainer Daum verschnupft ist oder weil der Werbeträger durch seine Ausrutscher dem Werbeslogan ("Bin ich schon drin ...") einen etwas schmierigen Unterton verpasst.

In dieser Hinsicht ist die Lufthansa bei ihrer Anzeigenkampagne der letzten Wochen geschickt vorgegangen. Durch den Einsatz von gleich achtzehn Werbebotschaftern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hat man das Risiko breit gestreut. Wie aus dem Lehrbuch diversifiziert ist der erlauchte Kreis derer, die sich zur "unverzichtbaren Rolle des Luftverkehrs" äußern und denen für ihr Vertrauen gedankt wird.

Gerhard Schröder, Edmund Stoiber, Kurt Bodewig und Roland Koch vertreten ausgewogen links und rechts, und sinkt das Ansehen des einen, steigt der Werbewert des anderen. Aus der FDP sind Edel-Pensionär Hans-Dietrich Genscher und Lufthansa-Aufsichtsrat Otto Graf Lambsdorff vertreten. Abgerundet wird das Team durch Wirtschaftsbosse und einige sichere Werbebänke ohne Skandalgefahr und mit Sympathiegarantie bei ihren Zielgruppen: Roman Herzog, Kardinal Karl Lehmann und Rosi Mittermaier. Mix it, baby!

Gegen Werbeauftritte früherer Olympiasieger, viel fliegender Vorstandschefs und pensionierter Politiker ist wenig einzuwenden. Werbeauftritte von Kanzler, Ministern und Ministerpräsidenten sind aber mehr als schlechter Stil. Die Lufthansa ist vollständig privatisiert, so dass man den Regierungsmitgliedern nicht unterstellen darf, Hans Eichels Tafelsilber aufpolieren zu wollen. Was in aller Welt aber hebt die Lufthansa und ihre Zunft so hervor, dass Gerhard Schröder sie zur x-ten Chefsache seiner Amtszeit erklärt und Stoiber ohne Not die grausamen Folgen einer Wirtschaft ohne Luftverkehr beschwört?

Es gibt in Deutschland Unternehmen, die mehr Arbeitsplätze schaffen als die Kranichflieger. Es gibt Branchen, von der Energieversorgung bis zur Krankenpflege, deren Rolle für unsere Gesellschaft das Prädikat "unverzichtbar" weit mehr verdienen als die Luftfahrt. Es gibt Firmen in der Touristik oder im Versicherungsgeschäft, die von den Terroranschlägen mindestens ebenso betroffen sind wie die Lufthansa. Und es gibt andere Luftfahrtunternehmen in Deutschland, die für ihre Rolle im Wettbewerb - zu Gunsten der Verbraucher - mehr politische Unterstützung verdienen als der Beinahe-Monopolist.

Für unternehmensbezogene Werbeauftritte von Regierungsmitgliedern, ob Bund oder Land, gibt es keine Rechtfertigung. Wenn Hans Eichel etwas linkisch für den Euro wirbt - kein Problem. Wenn Angela Merkel von Sixt unfreiwillig geföhnt wird - kann sie nichts dafür. Aber wenn der Kanzler - wie es sein Amt bestätigt - die Anzeige bis in die Formulierung abgesegnet hat, macht er die Werbung für die Kranichlinie tatsächlich zur Chefsache des mächtigsten deutschen Politikers. Da hört der Spaß auf. Übrigens seien alle Lufthansa-Anzeigen mit den jeweiligen Werbepartnern bis ins Detail abgesprochen gewesen, versichert Lufthansa-Pressesprecherin Christine Ritz.

Zu rechtfertigen wäre nur eine einzige Form der ministerialen Werbung für die Luftfahrt. Der dafür optimale Werbeträger ist bisher verschmäht worden. Der Mallorca-Jetter Rudolf Scharping in einer Anzeigenkampagne für die Flugbereitschaft der starken Truppe - das würden wir durchgehen lassen!