Der Markt-Forscher: T-Online hat Gelbsucht - DER SPIEGEL
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Der Markt-Forscher T-Online hat Gelbsucht

T-Online schluckt die gelben Seiten. Was hat das eigentlich mit online oder Internet zu tun? Gar nichts, aber das ist gerade der Trick.
Von Benjamin Winkler
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Alles ist momentan gelb. Die Post-Aktie, der Strom und jetzt auch noch T-Online. Aber seltsam ist es schon, dass sich eine Internet-Plattform gerade mit Tonnen von gelbem Papier bewaffnet.

Ein Blick zu den europäischen Konkurrenten von T-Online erklärt einiges. Auch die Internet-Portale von France Télécom und Telecom Italia sind mit ihren jeweiligen gelben Seiten verbandelt. Das hat gute Gründe, denn die Internet-Firmen stecken in einem Teufelskreis. T-Online und Co. müssen beweisen, dass sie nicht nur heiße Luft produzieren, sondern tatsächlich ihre Börsenbewertung in Milliardenhöhe wert sind. Irgendwie müssen also Gewinne her. Aber woher nehmen? Gewinne gibt es für Internet-Portale nur, wenn das Geschäft mit Internet-Zugängen und Werbung kräftig wächst. Und hier beginnt sich die Katze in den Schwanz zu beißen: Das Wachstum kostet zuerst einmal richtig Geld, und dieses Geld soll ja aus dem Wachstum kommen. Deshalb sieht es bei T-Online schlecht aus, und der Kurs der Aktie ist seit Monaten im Sturzflug.

Hilft nur noch der alte Zaubertrick: Finanziere das Wachstum des Unternehmens mit Monopolgewinnen aus einer anderen Sparte. Diese Methode grenzt zur Zeit fast an Gelbsucht: Yello finanziert den Einstieg in den gelben Strom aus seinem französischen Strommonopol, die gelbe Post nutzt das Briefmonopol für den Umbau zum Logistikkonzern. Und Ron Sommer will T-Online die Gewinne der hochprofitablen Gelben Seiten vererben. Wie der Zaubertrick funktioniert, haben France Télécom mit Wanadoo und Telecom Italia mit Seat Pagine Gialle längst vorgemacht. Das Wachstum des Internet-Geschäfts finanziert sich durch die Gewinne aus dem "Adressen-Monopol".

Das wäre doch auch die Lösung für eine seit Monaten ungeklärte Frage: Wer wird Nachfolger des geschassten Wolfgang Keuntje als Chef von T-Online? Ganz einfach: Verona Feldbusch. Sie hat mit ihrem Einsatz für die totgesagte Expo Erfahrung als Troubleshooter gesammelt, Erfahrung mit einer "Da werden Sie geholfen"-Telefonauskunft hat sie auch. Und gelb würde ihr bestimmt ziemlich gut stehen.