Der Markt-Forscher Technologieriesen in der Pubertät
Microsoft hat längst die Rolle des trotzigen Halbstarken angenommen. Bill Gates, Steve Ballmer & Co haben allen eins auf die Mütze gegeben, die ihnen ihr Spielzeug Windows und die anderen Inhalte ihrer Hosentaschen streitig machen wollten. Seit Jahren versuchen deshalb geduldige Richter in den USA, die renitenten Firmenchefs zur Räson zu bringen. Sogar mit dem Durchsägen der ganzen Spielzeugkiste Microsoft wird ihnen gedroht.
Aber sie werden wohl nur das milde Jugendstrafrecht zu spüren bekommen, und das ist gut so. Hinter diesen um sich schlagenden Halbstarken in der Computertechnologie steckt nämlich sehr oft produktive Kraft und Genie. Wenn man bei IBM, Intel oder Microsoft die Pickel mit Clearasil entfernt, dann ist doch ganz klar: Die Firmen sind immer noch erfolgreich in einer Wachstumsbranche tätig. Tatsächlich?
Die Anzeichen deuten eher auf Wachstumsstörungen und eine drohende Gewinn-Magersucht hin. Microsoft scheint langsam seine dominierende Stellung bei Betriebssystemen zu verlieren. Intel erwischt es vielleicht noch schlimmer. Firmen wie AMD oder Infineon haben sich zu ernstzunehmenden Konkurrenten im Markt für Speicherchips gemausert. Sinkende Marktanteile und massive Preiskämpfe sind die Folge. Für IBM ist das alles ein alter Hut, die Zeiten der Marktbeherrschung liegen für Big Blue schon viele Computergenerationen zurück. Fazit: Die Technologiestars arbeiten in einem Markt, in dem die Bäume nicht mehr in den Himmel wachsen. Wie geht es weiter mit den ehemals jungen Wilden? Intel und IBM versuchen seit einiger Zeit, auf den immer noch modischen E-Commerce-Zug aufzuspringen und Geschäfte mit "Business to Business"(B2B)-Plattformen zu machen.
Microsoft scheint dabei auf seine Weise schon ein Stückchen weiter zu sein: Der Gewinn ist vor allem auf Grund der Erträge aus Wertpapiergeschäften gestiegen. Das zeigt, Bill Gates ist immer noch der Innovationsmotor schlechthin: B2B als "Back to Banking", eine hervorragende Strategie für ein High-Tech-Unternehmen.