Deutsche Autobauer: Export gleicht schleppendes Inlandsgeschäft aus - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Deutsche Autobauer Export gleicht schleppendes Inlandsgeschäft aus

Im ersten Halbjahr dieses Jahres legte der heimische Automarkt nur leicht zu - gefragt waren dabei eher kleine und kostengünstige Fahrzeuge. Stärker profitieren konnten die Hersteller durch ihr Geschäft im Ausland.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Deutschlands Autobauer sind 2006 gut in der Spur: Beflügelt vom kräftigen Export und der höheren Inlandsnachfrage rechnet die Branche mit mehr Absatz als bisher erwartet. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) geht für das Gesamtjahr von 3,4 Millionen Neuzulassungen im Inland aus - nach 3,34 Millionen im Jahr 2005.

Nach den neuesten Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) in Flensburg vom Donnerstag hat der deutsche Automarkt in den ersten sechs Monaten 2006 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,4 Prozent zugelegt. Insgesamt wurden 1,74 Millionen Pkw neu zugelassen, das sind 40.000 mehr als vor einem Jahr. Dabei waren vor allem kleine, kostengünstige Autos gefragt, die ein Plus von 34 Prozent verzeichneten. Für das Gesamtjahr rechnet die Behörde mit einem Wachstum des Gesamtmarktes von rund zwei Prozent.

Im ersten Halbjahr zwei Millionen Wagen exportiert

VDA-Präsident Bernd Gottschalk sagte in Frankfurt am Main: "Wir haben allen Anlass, optimistisch zu bleiben." Die neuen Modelle kämen gut an, und die deutschen Hersteller hätten auf wichtigen Märkten Anteile gewonnen. Mit dem deutschen Markt seien die Autohersteller noch nicht zufrieden. "Die deutsche Autokonjunktur fährt zwar mit höherem Tempo, aber noch immer nicht mit voller Kraft voraus", sagte Gottschalk.

Wichtigster Motor für die deutsche Schlüsselbranche bleibt der Export. Nach dem Rekord vom Vorjahr rechnet der VDA 2006 mit einem neuen Höchstwert von mehr als 3,8 Millionen Autos. Im ersten Halbjahr wurden mit zwei Millionen Wagen vier Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum exportiert.

Die Mercedes Car Group hat im ersten Halbjahr 2006 ihren Absatz um neun Prozent auf den Rekordwert von 627.300 Fahrzeugen gesteigert. Für die Kernmarke Mercedes-Benz werde für das gesamte Jahr nun ein höherer Absatz als im Vorjahr erwartet, sagte Vertriebschef Klaus Maier in Stuttgart. Trotz des erwarteten Absatzrückgangs bei der Kleinwagenmarke smart werde die Mercedes Gruppe (Mercedes-Benz, smart, Maybach) 2006 einen Absatz "mindestens in der Größenordnung des Vorjahres erreichen." Dieser lag bei 1,21 Millionen Autos.

Auch der Autobauer Audi hat unter anderem dank des neuen geländegängigen Q7 im ersten Halbjahr 2006 einen Rekordabsatz eingefahren. Die Zahl der Auslieferungen der Volkswagen-Tochter stieg um 9,8 Prozent auf knapp 463.500 verkaufte Autos. Im Gesamtjahr soll die Zahl der Auslieferungen laut Konzernchef Martin Winterkorn um 50.000 auf rund 880.000 Fahrzeuge steigen.

Absatzrückgang bei Renault

Der französische Autobauer Renault hat im ersten Halbjahr einen Absatzrückgang hinnehmen müssen. Laut Renault wurden zwischen Januar und Ende Juni weltweit 1,315 Millionen Fahrzeuge verkauft. Dies waren 3,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zum Wachstumsbringer entwickelt sich die Billigmarke Dacia.

Peugeot Citroën hat im ersten Halbjahr 2006 seinen Absatz leicht gesteigert. In den ersten sechs Monaten seien 1,764 Millionen Fahrzeuge verkauft worden, teilte das Unternehmen in Paris mit. Dies entsprach einem leichten Plus von 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Verlusten in Westeuropa standen dabei Zugewinne in den übrigen Regionen der Welt gegenüber.

tim/dpa-AFX