Deutsche-BA-Übernahme Wöhrl fehlte ein Euro
Nürnberg - Die Anekdote hat das Talent zur Unsterblichkeit: In einem Interview mit den "Nürnberger Nachrichten" gestand Wöhrl, dass er sich vor dem Gang zum Notar nicht mit ausreichend Kleingeld eingedeckt hatte. Der Kaufpreis habe aber sofort und in bar entrichtet werden müssen. Eine Dolmetscherin, die bei den Verhandlungen dabei gewesen sei, habe ihm ausgeholfen. "Und so muss ich gestehen, dass ich den Kaufpreis über einen Kredit finanziert habe", fügte der Unternehmer hinzu.
Wöhrl hatte sich Anfang Juni mit der einstigen Deutsche-BA-Besitzerin British Airways über den Kauf der maroden Airline geeinigt. Für den Euro liefert British Airways nicht allein die komplette Fluggesellschaft, sondern übernimmt auch für die Dauer von einem Jahr die Leasingkosten in Höhe von drei Millionen Euro monatlich für die Maschinen. Außerdem steuern die Briten noch 35 Millionen Euro zum operativen Geschäft bei. Im Gegenzug soll British Airways bis Juni 2006 mit 25 Prozent am Gewinn beteiligt werden - wenn die DBA denn überhaupt Profite einfliegt.
Auch wenn Wöhrl die Airline weiterverkauft, soll die BA ein Viertel der Erlöse erhalten. Für die zuletzt 800 Beschäftigten und die Passagiere werde sich durch den Besitzerwechsel nichts ändern, verspricht British Airways.
Der Textilunternehmer hatte 1970 gemeinsam mit seinem Bruder die Modehaus-Kette Rudolf Wöhrl von den Eltern übernommen und ist seit der Umwandlung des Unternehmens 2002 in eine Familien-AG Aufsichtsratschef. Das Unternehmen mit Sitz in Nürnberg hat fast 40 Filialen vor allem in Süddeutschland und erzielte zuletzt einen Umsatz von rund 350 Millionen Euro.
Bei der Deutschen BA war Wöhrl nach Angaben des Unternehmens jahrelang Mitglied des Beirats, daher kenne er die Fluggesellschaft gut. Welche Funktion er künftig übernehmen will, ist noch unklar.
Den letzten Wechsel im Management der Deutschen BA hatte es im Januar gegeben, als der langjährige Chef Adrian Hunt überraschend aus dem Amt schied; sein Nachfolger wurde der Engländer Martin Wyatt.
Wöhrl will die gnadenlosen Preiskämpfe nicht mitmachen. Ziel müsse es sein, nicht die billigste Airline zu sein, sondern das beste Preis-Leistungsverhältnis zu bieten. "Konsequent wird die Deutsche BA daher auf die im Markt üblich gewordenen Marketing-Gags mit kaum buchbaren Lockangeboten verzichten", kündigte er an.