Deutsche Bahn: 2001 drohen Verluste - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Deutsche Bahn 2001 drohen Verluste

Nach 199 Millionen Euro Gewinn 2000 rechnet Bahnchef Mehdorn in diesem Jahr mit Verlusten. Schwarze Zahlen werde der Konzern erst wieder 2004 erreichen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Noch im November hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn für 2000 mit 400 Millionen Mark Überschuss gerechnet. Tatsächlich erwirtschaftet wurde nach Bahnangaben ein Ergebnis nach Zinsen von 199 Millionen Euro (388 Millionen Mark). Schon damals hatte Mehdorn für die nächsten Jahre Verluste vorhergesagt.

Im Jahr 2000 ging der Umsatz gegenüber 1999 (15,6 Milliarden Euro) nominal um 1,1 Prozent zurück, was das Unternehmen allerdings auf eine "Portfolio-Straffung" zurückführt: Der Konzern schrumpfte, weil die DER-Gruppe und das Schiffscatering der Mitropa abgestoßen wurden. Bereinigt sei der Umsatz im verbleibenden Konzern im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 Prozent gestiegen.

Mehdorn: Milliardenrisiken bei Trennung von Bahnbetrieb und Netz

Letztes Jahr baute die Bahn im verbleibenden Konzern 15.800 Stellen oder 6,6 Prozent ab und verzeichnete zum Jahreswechsel noch 222.656 Mitarbeiter. Dennoch stieg den Angaben zufolge der Personalaufwand um 2,3 Prozent auf 8,5 Milliarden Euro.

Im Falle einer Trennung von Schienennetz- und Zugbetrieb sieht Mehdorn Milliardenrisiken auf Bahn und Bund zukommen. Wegen der dann erforderlichen Neubewertung von Großprojekten und Sanierungsverzögerungen könnte die gesamte Bahnreform in Frage gestellt werden. Eine aufgelöste Bahn wäre gegenüber ausländischen Konkurrenten schwer benachteiligt, sagte Mehdorn. "Wer aber glaubt, dass Wettbewerber aus Ländern mit geschützten Heimatmärkten sich hier die Rosinen herauspicken können und die Deutsche Bahn fährt dann den Rest in der Fläche, der irrt."

Gewerkschaft: Jeder zweite Deutsche fuhr noch nie Bahn

Der Chef der Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, forderte statt weiterer Streichungen von Angeboten eine offensive Marktstrategie der Bahn. Das Kundenpotenzial sei vorhanden, da jeder zweite Bundesbürger noch nie Bahn gefahren sei.