Deutsche Bahn: Kritiker bezweifeln Börsenfähigkeit - DER SPIEGEL
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Deutsche Bahn Kritiker bezweifeln Börsenfähigkeit

Nach Steigerungen bei Umsatz und Ergebnis im vergangenen Jahr hofft Bahn-Chef Hartmut Mehdorn auf einen baldigen Börsengang. Doch seine Kritiker sehen die 2005er Werte keineswegs als Ausweis für die Kapitalmarktfähigkeit des Logistikkonzerns.
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Berlin - Es war das beste Ergebnis ihrer noch jungen Geschichte als Bahn AG. Im vergangenen Jahr hat der  Konzern 448 Millionen Gewinn gemacht und damit nach Angaben von Mehdorn die eigenen Vorgaben um zwölf Prozent übertroffen. Überdies lag der Umsatz mit 25,1 Milliarden Euro 4,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Erstmals seit 2002 fuhren zudem die Fernzüge aus den roten Zahlen heraus. In der Bilanz wurde ein operativer Gewinn (EBIT) von 50 Millionen Euro ausgewiesen nach einem Minus von 331 Millionen Euro im Vorjahr.

Nach dem Zukauf des amerikanischen Logistikers Bax betrachtet der Bahnchef sein Unternehmen aber lieber als Logistikkonzern - genau genommen, den Zweitgrößten der Welt nach der Deutschen Post-DHL. Mehdorn erklärte, das Unternehmen werde in diesem Bereich künftig stärker wachsen als auf der Schiene. Aber nur so sei es möglich, auch die Schiene weiter zu entwickeln. Auch im Schienenverkehr wuchs die Bahn: Die Verkehrsleistung im Personenverkehr wuchs um 3,5 Prozent auf 75,5 Milliarden Personenkilometer. Der Güterverkehr legte um fünf Prozent auf 90,7 Milliarden Tonnenkilometer zu.

Laut Mehdorn ist die Bahn "voll auf Kurs" in Richtung Kapitalmarkt. Um weiter voranzukommen, brauche das Unternehmen Sicherheit. Die Bahn "benötigt in Zeiten leerer öffentlicher Kassen den Zugang zum internationalen Kapitalmarkt", sagte der Manager. Die Bundesregierung will nach der Sommerpause über den Börsengang entscheiden. Mehdorn möchte das Projekt am liebsten noch in seiner Amtszeit, also bis 2008, abschließen. Allerdings streitet sich der Bahn-Chef noch mit einigen Bundestagsparteien über die Modalitäten.

Streit um Börsengang

Sinnvoll ist nach Überzeugung Mehdorns ein Börsengang nur, wenn der Konzern das Schienennetz behält. Vertreter von CDU und FDP befürworten eine Trennung. Sie hoffen so auf mehr Wettbewerb. Die aktuellen Zahlen versteht Mehdorn daher auch als Werbung für sein Börsenkonzept. Immerhin gehören die Schienen ja noch zum Unternehmen.

Aber auch seine Kritiker bringen sich in Position. "Im Kerngeschäft Schienenverkehr liegt die Bahn auf dem Ergebnisniveau von vor zehn Jahren. Geld verdient sie nur im zugekauften Logistikbereich und im hoch bezuschussten Nahverkehr, wo die Bundesmittel jetzt gekürzt werden", sagte Horst Friedrich, Verkehrspolitischer Sprecher der FDP, gegenüber SPIEGEL ONLINE. Dass Fernverkehr, Güterverkehr und Netz nachhaltig profitabel würden, sei in der Vergangenheit schon oft angekündigt, aber noch nie realisiert worden.

Friedrich verwies darauf, dass die Ergebnisse für 2005 weit unter den Ende 2003 geplanten Zahlen lägen, die Grundlage für das Kapitalmarktgutachten der Investmentbank Morgan Stanley waren. Die "Planerfüllung" beruhe alleine darauf, dass die Werte Ende 2004 massiv nach unten korrigiert wurden: Statt eines Betriebsergebnisses nach Zinsen von einer Milliarden Euro wurden nur noch 420 Millionen Euro angepeilt. Eine Kapitalmarktfähigkeit setze ein Betriebsergebnis nach Zinsen von rund 2,4 Milliarden voraus, also das Fünffache des jetzt vorgelegten Ergebnisses.

suc/dpa-AFX/AP