Deutsche Bahn Künast kritisiert Gutsherrenart
Berlin - In einem Zeitungsinterview forderte sie, die Bahn müsse weg vom gönnerhaften Kulanzdenken, das aus alten Jahrhunderten komme, und hin zu nachvollziehbaren, transparenten Regeln. Kunden müssten konkret wissen, was bei Ausfall und Verspätungen geschehen werde. Künast forderte Regeln, die einer inhaltlichen richterlichen Kontrolle unterlägen. Es gebe derzeit eine wahnsinnige Mischung aus privatrechtlichen und öffentlich-rechtlichen Strukturen.
Was dagegen das neue Preissystem betrifft, hält sich die Bundesregierung mit offensiven Forderungen zurück. Das neue Preissystem liege in der unternehmerischen Verantwortung der Bahn, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums am Montag in Berlin. Ziel sei es, mehr Fahrgäste für den Bahnverkehr zu gewinnen. Ob dies erreicht werde, müsse abgewartet werden.
Der Bund ist alleiniger Eigentümer des Unternehmens. Die Bahn selbst hatte bisher erklärt, dass nach einem Jahr Bilanz über das am 15. Dezember eingeführte Preissystem gezogen und dann mögliche Nachbesserungen vorgenommen werden sollen. Kurz vor Weihnachten hatte die Bundesregierung erklärt, dass bis Ende März ein Zwischenbericht geplant sei, der detailliert die Vor- und Nachteile des neuen Preissystems auflisten solle. Mit den neuen Preisen belohnt die Bahn Frühbucher, Familien und Gruppenreisende.
Das neue Preissystem hatte der Bahn heftige Kritik von allen Seiten eingetragen. Verbände und Verbraucherschützer rügten vor allem hohe Stornogebühren und die Kontingentierung der preisgünstigen Ticketangebote. Auch die Qualität der Beratung an den Fahrkartenschaltern ließe noch häufig zu wünschen übrig, hieß es.