Deutsche Bahn: Mehdorn plant Kurzarbeit - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Deutsche Bahn Mehdorn plant Kurzarbeit

Bahnchef Hartmut Mehdorn nutzt die Sparbeschlüsse des Vermittlungsausschusses, um schon einmal radikale Kürzungen anzukündigen. Seinen Worten zufolge sind alle laufenden Projekte in Gefahr.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Mehdorn befürchtet, dass die Mittel, die der Bund ihm 2004 für Investitionen in die Infrastruktur bereitstellen wird, um weitere 800 Millionen Euro gesenkt werden. Einsparungen von 400 Millionen waren bereits angekündigt. Weil die Bahn nach Mehdorns Prognose dann im nächsten Jahr mit insgesamt 1,2 Milliarden Euro weniger auskommen müsste, hat der Vorstand weit reichende Konsequenzen angekündigt. Die Beschäftigten aller Unternehmensbereiche und die Bauindustrie seien potentiell von den Sparmaßnahmen betroffen.

Die Bahn wolle bei allen laufenden Projekten prüfen, ob sie weitergeführt werden, heißt es in einer Mitteilung des Konzerns. Außerdem soll es weitreichende Einschnitte beim Personal geben. Das beinhalte Kurzarbeit und ein Einstellungsstopp. Neue Aufträge im Bereich Bau und Planung würden erst einmal zurückgestellt, verkündete der Vorstand nach seiner Sitzung in Berlin.

Die Bahn ist nach eigenen Angaben mit jährlich fast zehn Milliarden Euro der größte Investor des Landes. Knapp die Hälfte seiner Investitionsmittel - nämlich 4,43 Milliarden Euro - erhielt das Unternehmen 2003 vom Bund. Weil die Regierung jetzt aber sparen muss, um die vorgezogene Steuerreform finanzieren zu können, bereitet die Bahn sich auf weitere Subventionskürzungen in den nächsten Jahren vor. "Diese Entwicklung wird sich in den Folgejahren fortsetzten", glaubt der Vorstand.

Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums bezeichnete die Berechnungen der Bahn als nicht nachvollziehbar. Im Vermittlungsausschuss sei nur beschlossen worden, allgemein zu sparen. Konkrete Zahlen, wie stark die Bahn davon betroffen sei, gibt es seinen Angaben zufolge noch nicht.