Deutsche Bahn Mehdorn setzt auf Expansion
München - Konzernchef Hartmut Mehdorn wolle bis zu 12,5 Milliarden Euro investieren, um osteuropäische Staatsbahnen, aber auch städtische Verkehrsbetriebe etwa in Prag, Stockholm oder Lyon zu erwerben, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Mittwochsausgabe unter Berufung auf ein Schreiben Mehdorns an Parlamentarier. Die Investitionen sollten innerhalb der nächsten fünf Jahre vorgenommen werden. Aus Osteuropa erhalte die Deutsche Bahn "vermehrt Anfragen", dortige Staatsbahnen gegen "langfristige Betriebsgarantien vollständig zu übernehmen".
"Gemeinsam mit der russischen Bahn entwickeln wir eine Transsibirien-Landbrücke zwischen Asien und Europa", zitiert die "SZ" aus dem Schreiben weiter. "Unser Investitionsanteil wird bei ein bis zwei Milliarden Euro liegen." Mehdorn wolle außerdem den Zugang der Bahn zu den Häfen an der Nord- und Ostsee erweitern, um mehr Gütertransporte über die Schiene abwickeln zu können.
Mehdorn hatte mehrfach betont, dass die Bahn dringend Zugang zum Kapitalmarkt brauche, um sich als "europäischer Champion" bei der anstehenden Marktliberalisierung in Europa behaupten zu können. Dazu gehöre auch eine europafähige ICE-Flotte, um etwa in Frankreich Verkehrsleistungen anbieten zu können.
Der SPD-Umweltpolitiker Hermann Scheer kritisierte die Pläne scharf. Damit rücke die Bahn immer mehr von ihrer Kern- und Heimataufgabe des Passagier- und Gütertransports in Deutschland ab, sagte Scheer. "Mehdorn hebt jetzt ab", meinte Scheer. "Das kann nicht das Entscheidungskriterium hier gewählter Abgeordneter sein und entspricht nicht dem, was bundesdeutsche Wähler von der Bahn erwarten." Er warne daher noch einmal eindringlich vor der geplanten Privatisierung, sagte er an die Adresse seiner eigenen Fraktionsspitze. Die weltweiten Expansionspläne gäben einen Vorgeschmack, was die Bahn mit dem Geld anstellen werde.
Die Bahn müsse zunächst an der Heimatfront ihre Hausaufgaben machen und ihren ökologischen Pflichten des Bahntransports in Konkurrenz zu Autos und Flugverkehr nachkommen. "Dies hat im Vordergrund eines jeden Bahnkonzepts zu stehen", sagte Scheer. Wer dagegen mehr an Auslandsbeteiligungen interessiert sei, habe dann auch nichts dagegen, wenn die Bahn am Ende von strategischen Anlegern aus Russland und dem arabischen Raum beherrscht werde. "Leider ist diesen shareholdern (Anteilseignern) die Kernaufgabe der Bahn egal."
mik/AFP/dpa-AFX/dpa