Deutsche Bahn: Netzagentur will schärfere Preisaufsicht - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Deutsche Bahn Netzagentur will schärfere Preisaufsicht

Für Bahnchef Mehdorn kommt die Kritik zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Während er um den Bahn-Börsengang mitsamt Gleisnetz kämpft, kündigt die Bundesnetzagentur schärfere Kontrollen an. Die Preisgestaltung der Bahn bei der Vermietung der Trassen an Konkurrenten sei undurchschaubar, heißt es.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - "Die Preisbildung ist für die Kunden der DB Netz nicht durchschaubar", sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, der "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Kurth sagte weiter, dass "eine nachvollziehbare Zuordnung der Kosten nicht vorhanden" ist. "Hier hat die Bahn eine Bringschuld."

Die Netzagentur wolle vor allem prüfen, ob die Trassenpreise richtig kalkuliert und ob sie auf unterschiedliche Trassenarten - von Regional- bis Hochgeschwindigkeitsverkehr - richtig verteilt sind. "Wir werden Preisbildungskriterien formulieren, die Transparenz gewährleisten", sagte Kurth. Er rechne mit Kooperationsbereitschaft und konstruktiven Vorschlägen der Bahn. Im Wettbewerb stehe die Bahn besonders im Regionalverkehr, wo Konkurrenten jüngst viele Ausschreibungen gewonnen haben. Im Gütertransport auf der Schiene hätten sich die Wettbewerber inzwischen einen Marktanteil von 15 Prozent gesichert.

Die Trassenpreise für das laufende Jahr hat die Netzagentur dem Bericht zufolge nicht beanstandet. Sie gebe dem Unternehmen noch ein Jahr Gnadenfrist. Die Aufsicht über das Netz der Deutschen Bahn liegt erst seit Jahresanfang bei der Bonner Behörde. Zuvor hatte sie das Eisenbahnbundesamt (EBA) wahrgenommen.

Das Schienennetz sei im Gegensatz zu anderen Netzen nur mit staatlichen Zuschüssen zu erhalten und auszubauen, sagte Kurth. Die Bahn argumentiere überdies, sie könne im Güterverkehr wegen der Lastwagen-Konkurrenz am Markt keine kostendeckenden Trassenpreise durchsetzen. "Wir wollen die Schiene attraktiver machen", sagte Kurth. "Aber wir wollen auch, dass der Zugang diskriminierungsfrei ist. Daher müssen wir prüfen, ob die Preise wirklich kostenorientiert sind. Es gebe Vermutungen, dass zwischen den Trassenpreisen für Güter- und Personenverkehr quersubventioniert werde. Gegen die Annahme generell überhöhter Trassenpreise spreche die Tatsache, dass das Netz defizitär sei. Anders als in den anderen Branchen sei deshalb keine Monopolrendite zu unterstellen.

Für Bahnchef Hartmut Mehdorn kommt die Ankündigung der Regulierungsbehörde zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Er kämpft zurzeit wie ein Tiger darum, dass die Netztochter DB Netz beim geplanten Börsengang im Konzern bleiben darf. Kritiker befürchten aber, dass dann die Marktvorteile der Bahn zementiert würden und plädieren deshalb dafür, die DB Netz vor dem Gang an den Aktienmarkt aus dem Konzern auszugliedern.

tim/dpa-AFX