Deutsche Bahn "Star Alliance" als Vorbild
Berlin - Kooperationen und Verflechtungen bis hin zu Fusionen auf regionaler, aber auch auf internationaler Ebene sollen der Bahn künftig Wachstum bringen, kündigte der Vorstandsvorsitzende in Berlin an.
Er forderte von der Bundesregierung gleichzeitig die Verstetigung der Investitionsmittel über 2003 hinaus und verstärkte Unterstützung bei dem Bemühen, die EU-Nachbarländer dem Wettbewerb auf der Schiene zu öffnen wie Deutschland. "Alle fahren bei uns Bahn, nur uns ist es nicht möglich, uns im Ausland unternehmerisch zu engagieren", klagte der Bahnchef.
In den nächsten fünf Jahren werde die Bahn 79 Milliarden Mark investieren und damit vorerst weiterhin der größte deutsche Investor bleiben. Unter anderem solle bei Zügen und Waggons das Durchschnittsalter von 26,5 auf zwölf Jahre gedrückt werden.
Allianzen statt Übernahmen
Die Bahn plane vorerst keine Zukäufe von Unternehmen in Nachbarländern, sagte Mehdorn. Er kündigte aber die Bildung von Allianzen an. Abgesehen von den Güterbereichen der niederländischen und der dänischen Staatsbahnen, die praktisch im Railion-Verbund mit der DB Cargo aufgegangen sind, seien die anderen Unternehmen zu groß und zu eigenständig. Die polnische Staatsbahn PKP, die vor der Privatisierung stehe, nannte er ebenfalls in diesem Zusammenhang. Auch eine Beteiligung an der schweizerischen Privatbahn BLS hat die Bahn im Visier.
Mehdorn lobte die "Star Alliance" der Lufthansa mit anderen Fluglinien als Erfolgsrezept auch für eine mögliche "Rail Alliance". Ein deutliches Zeichen dafür werde vermutlich die vierte Generation der Hochgeschwindigkeitszüge. Hier zeichne sich ein europaweites, modulares Konzept ab. Damit ließen sich viele der bisherigen Systemgrenzen wie Stromart, Leit- und Signaltechnik und Ähnliches schneller überbrücken als bisher.
Signale sollen wegfallen
In der Diskussion um die Trennung von Netz und Betrieb schickte Mehdorn den Geschäftsleiter des Forschungs- und Technologiezentrums, Rainer Schmidberger, vor. Die aktuellen technologischen Entwicklungen hätten zur Folge, dass immer mehr Technik vom Fahrweg ins Fahrzeug komme, also dort auch immer mehr Kosten entstünden, erklärte der: "Bei dem, der das Netz betreibt, fallen die dann weg." In der Addition ergebe das auf jeden Fall eine Steigerung der Wirtschaftlichkeit.
Er sagte voraus, dass bis 2025 alle klassischen Signale aus dem Hauptnetz der Deutschen Bahn verschwinden würden. Erste Versuche mit dieser Leittechnik hätten zwischen Berlin, Halle und Leipzig begonnen.
Wesentlich kürzere Zeitrahmen hat die Bahn AG bei Service und Sauberkeit der Bahnhöfe im Auge. Zu Wandschmierereien sagte Mehdorn: "Wir streichen da jetzt aggressiv hinterher." Der zuständige Bereichsleiter Rainer Voltmer will erreichen, dass neue Graffiti binnen 48 Stunden übertüncht werden.
Von Thomas Rietig, AP