Deutsche Bahn Tarifparteien liegen Welten auseinander
Frankfurt am Main - Die Unterhändler trennten sich nach etwa dreistündigen Verhandlungen, ohne einen neuen Termin zu vereinbaren. Die Friedenspflicht endet am Samstag. Die Tarifgemeinschaft aus den Gewerkschaften Transnet und GDBA war mit einer Forderung von sieben Prozent, mindestens aber 150 Euro, in die Verhandlungen gegangen. An den Streikdrohungen der dritten Arbeitnehmerorganisation, der nicht an den Verhandlungen beteiligten Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), ändert die Entwicklung ohnehin nichts. Sie fordern Entgelterhöhungen bis zu 31 Prozent und wollen ab Montag streiken.
Entsprechend brüsk lehnte Transnet-Verhandlungsführer Alexander Kirchner das Angebot ab. Was die Bahn biete, sei nicht mehr als ein "Almosen, um die Beschäftigten zu verhöhnen". Der Vorschlag der Arbeitgeberseite habe "erhebliche Zugeständnisse der Mitarbeiter" beinhaltet. Unter anderem solle die Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden angehoben werden.
"Die Arbeitgeber provozieren geradezu Streit", erklärten Kirchner und sein GDBA-Kollege Heinz Fuhrmann. Sie verwiesen auf die Rekordbilanz der DB im Jahr 2006 und die für dieses Jahr in Aussicht gestellten neuen Rekordzahlen. "Wir sind verhandlungsbereit und empfehlen der Arbeitgeberseite dringend, ihre Blockadehaltung zu überdenken", unterstrichen Kirchner und Fuhrmann.
DIW sieht Arbeitsplätze gefährdet
Die Deutsche Bahn erklärte, sie komme mit dem Angebot den Gewerkschaftsforderungen entgegen und wolle "die Beschäftigten der Bahn am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben lassen". Margret Suckale, Personalvorstand der Deutschen Bahn, sagte nach der zweiten Verhandlungsrunde: "Nun müssen sich auch die Gewerkschaften bewegen. Mit den bundesweit höchsten Forderungen in der laufenden Tarifrunde werden sonst Arbeitsplätze gefährdet."
In einer am Wochenanfang erschienenen Studie hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor einem zu hohen Lohnabschluss gewarnt. Danach seien bei der Bahn bis zu 9000 Arbeitsplätze gefährdet. Es drohe ein Verlust von Marktanteilen, wenn die Tarifentgelte der Bahn schneller steigen als bei den Konkurrenten, die ohnehin einen Lohnkostenvorteil hätten. Die Bahn will auch weiterhin streikfrei zu einem Tarifabschluss kommen.
Suckale nannte die Streikdrohungen der GDL "völlig unverantwortlich". Sie versuche "ohne Verhandlungen auf dem Rücken der Kunden" ihre Interessen durchzuboxen. GDL-Vorsitzender Manfred Schell sagte zur Begründung der angekündigten Streiks im ARD-"Morgenmagazin": "Wer über 130 Tage mit uns nicht verhandeln will, wird in den letzten drei Tagen nichts mehr daran ändern können."
mik/AP