Deutsche Bank Ackermann macht Postbank Avancen
Frankfurt am Main - Josef Ackermann sagt es ganz offen: "Wir haben immer gesagt, dass uns die Postbank interessieren würde", erklärt der Chef der Deutschen Bank, als er die Bilanz von 2007 vorstellt. "Wenn jemand uns ansprechen würde, wären wir gesprächsbereit. Das wäre auch für Deutschland eine sinnvolle Lösung." Die klaren Avancen kommen nur einen Tag nach einem Bericht, wonach Post-Chef Klaus Zumwinkel die Postbank mit einem Konkurrenten verschmelzen und so einen neuen Bankenriesen schmieden will. Unter anderem sei die Deutsche Bank angesprochen worden, hieß es da. Dementsprechend begeistert reagierte die Börse heute auf Ackermanns Worte: Der Aktienkurs der Postbank schoss um über vier Prozent nach oben - nachdem das Papier schon am Vortag über zehn Prozent an Wert gewonnen hatte.
Ansonsten scheint auf der Bilanzpressekonferenz von Deutschlands größtem Geldhaus auf den ersten Blick alles wie in den Vorjahren. Josef Ackermann sitzt mit selbstzufriedenem Gesicht vor blauem Hintergrund, spricht von einem "Spitzenjahr" und verkündet einen Rekordgewinn - diesmal sind es 6,5 Milliarden Euro. Andere Bankenchefs schockten in den vergangenen Wochen mit immer neuen Milliardenabschreibungen wegen ausgefallener Kredite. Bei der Deutschen Bank sind es gerade einmal 50 Millionen Euro aus dem vierten Quartal, die noch nicht bekannt sind. Die Börse freut sich dementsprechend: Fast zwei Prozent gewann die Deutsche-Bank-Aktie an Wert.
Doch es ist längst nicht alles eitel Sonnenschein. 2,3 Milliarden Euro hat die Bank insgesamt in der Subprime-Krise verloren. Im vierten Quartal 2007 verdiente das Geldinstitut mit 953 Millionen Euro deutlich weniger als im Jahr zuvor, als es noch 1,8 Milliarden Euro waren. Im Investmentbanking, traditionell eigentlich der stärkste Bereich, musste das Institut wegen der Kreditkrise deutliche Einbußen hinnehmen.
Wegen der Probleme mit dem Darlehen eines einzelnen Kunden wurde im vierten Quartal zudem die Risikovorsorge im Kreditgeschäft von 131 Millionen Euro auf 329 Millionen Euro erhöht. Welche Geschäftsbeziehung genau zu diesem Schritt führten, sagte Ackermann nicht - er betonte jedoch, der Kunde komme nicht aus dem Immobilienbereich. In den vergangenen Tagen hatten zahlreiche US-Zeitungen über den Immobilieninvestor Harry Macklowe berichtet, der einen Deutsche-Bank-Kredit über fast sechs Milliarden Dollar offenbar nicht zurückzahlen kann. Insidern zufolge musste Macklowe bereits mehrere New Yorker Immobilien an die Deutsche Bank verpfänden.
Auch Ackermann weiß, wenn Finanzinstitute, Regierungen und Aufsichtsbehörden die globale Kreditkrise nicht in den Griff bekommen, wird dieses Jahr hart - selbst für einen Kraftprotz wie die Deutsche Bank. "Es muss jetzt gemeinsam mit der Finanzindustrie alles daran gesetzt werden, das Vertrauen an den Finanzmärkten und in die Akteure zurückzugewinnen", mahnt der Bankenchef deshalb seine Kollegen. "Jeder Marktteilnehmer muss für sich und für die Aufsicht vollständig Klarheit über seine Engagements in den betroffenen Marktsegmenten schaffen." Die Deutsche Bank sehe in der Situation auch Chancen, verkenne aber nicht, "dass die Probleme an den Kreditmärkten sich in den nächsten Monaten auch realwirtschaftlich deutlich bemerkbar machen werden".
Immerhin: Eine Rezession droht Deutschland nach Ansicht des Managers nicht, das Wachstum werde nur gedämpft ausfallen. An seiner "Vision" für die Deutsche Bank von 8,4 Milliarden Euro Jahresgewinn hält Ackermann zudem fest.
ase/dpa/Reuters