Deutsche Bank Ackermann muss nachsitzen
Solange diese Linie dazu führte (oder zumindest nicht verhinderte), dass Ackermann auch ein guter Deutschbanker war, sprich Rekordergebnisse einfuhr, war das für ihn kein wirkliches Problem.
Nun - ein starkes Quartal hin oder her - stimmen die Zahlen nicht mehr. Und schlimmer noch als die sich in der Bilanz auftürmenden Risikoberge wiegt das, was von den Fluren der Deutschen Bank seinen Weg nach draußen findet: Ackermann wirke strategie-, ja sogar planlos. Sein Haus stehe zu sehr auf einem Fuß, monieren Kritiker. Das Investmentbanking sei zu einseitig dem Privatkundengeschäft vorgezogen worden.
Diese Situation lässt sich nicht binnen zwölf Monaten, also bis zur Hauptversammlung 2010, bereinigen. Schon gar nicht von einer "lame duck", die damit beschäftigt wäre, einen Nachfolger zu suchen, statt sich um das Geschäft zu kümmern. Das hat auch Ackermann erkannt. Was also tun?
Einfach den Bettel hinzuschmeißen und die Leitung des deutschen Branchenprimus an seinen Weggefährten und Risikovorstand Hugo Bänziger oder den allseits respektierten Jürgen Fitschen zu übergeben, hätte der Mentalität eines Josef Ackermann nicht entsprochen. Ein Schweizer Reserveoffizier begeht keine Fahnenflucht.
Ackermann will - entgegen allen Beteuerungen in der Vergangenheit - nun doch eigenhändig den Laden aufräumen. Sich dieser Belastung zu stellen, verdient Respekt - erinnert sei nur an Ackermanns Schwächeanfall Anfang des Jahres.
Die überraschende Personalie zeigt allerdings auch, wie sehr sich die Deutsche Bank von ihrem Primus Josef Ackermann abhängig gemacht hat. Ein Nachfolger wurde nicht rechtzeitig aufgebaut. Das Vakuum an der Spitze ist so groß, dass nach Informationen des manager magazin sogar der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Börsig erwog, vom Kontrollsitz an die Spitze des Vorstandes zu wechseln.
Doch Ackermann ist jetzt auf Bewährung. Denn ein Weiter-so können sich weder die Deutsche Bank noch der Finanzplatz Deutschland leisten.