Deutsche Bank Ackermann prüft Investmentsparte
Frankfurt am Main - In einem Brief an das Deutsche-Bank-Management nimmt Josef Ackermann zu den Turbulenzen an den Finanzmärkten Stellung. "Einige Neuausrichtungen und Nachjustierungen werden nötig sein", schrieb der Top-Manager. Ein Deutsche-Bank-Sprecher bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass das Schreiben am vergangenen Freitag verschickt wurde.
Laut der Nachrichtenagentur Reuters führt Ackermann in dem Brief aus, wie die Abhängigkeit vom krisengeschüttelten Investmentbanking reduziert und stattdessen das Privatkundengeschäft ausgebaut werden soll. So würden im Kapitalmarktgeschäft Ressourcen von Bereichen abgezogen, bei denen eine Erholung auf kurze Sicht nicht zu erwarten sei. Reuters hatte vergangene Woche erfahren, dass die größte deutsche Bank im Handel mit strukturierten Produkten rund 900 Stellen abbauen will.
Die Deutsche Bank hat zudem Mitte September damit begonnen, ihr Privatkundengeschäft aufzustocken. Mit dem Postbank-Mutterkonzern Deutschen Post verständigte sie sich darauf, knapp 30 Prozent der Postbank-Aktien zu übernehmen; Gesamtpreis: knapp 2,8 Milliarden Euro. Gleichzeitig sicherte sich die Deutsche Bank mit einer Kaufoption den Zugriff auf die restlichen Anteile.
Nach dem Einstieg soll der Branchenprimus zwei Jahre Zeit für den Kauf der übrigen Anteile bekommen. Deutsche Bank und Postbank verfügen zusammen über rund 24,2 Millionen Privatkunden in Deutschland. 14,5 Millionen davon bringt die Postbank ein, 9,7 Millionen die Deutsche Bank. Das Bundeskartellamt genehmigte die Teilübernahme in der vergangenen Woche.
In seinem Brief an das Management betont Ackermann dennoch: "Investmentbanking bleibt ein Kerngeschäftsfeld der Deutschen Bank. Wir haben einen Prozess der Überprüfung unserer Firmenstrategie eingeleitet mit dem Ziel, unsere Kerngeschäftsfelder weiterzuentwickeln."
Kurzfristig hat die Bank aber wegen des schwierigen Marktumfelds mit großer Skepsis der Investoren zu kämpfen. Die Aktien sind seit Monaten auf Talfahrt und waren Ende vergangener Woche mit weniger als 19 Euro so günstig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Vor einem Jahr notierten die Papiere noch bei mehr als 90 Euro. "Die Marktkapitalisierung der Deutschen Bank liegt deutlich unter unserem wahren Wert", erklärte der Ackermann. Am Montag zogen die Aktien wie andere Finanzwerte in Reaktion auf das Rettungspaket für die US-Großbank Citigroup an und notierten sechs Prozent im Plus bei 20 Euro.
Investoren kritisieren vor allem die Kapitalausstattung der Deutschen Bank als zu niedrig für die Zeit nach der Krise. Ackermann hat hierauf bereits reagiert und einige Maßnahmen in die Wege geleitet. So peilt er mittlerweile eine Kernkapitalquote von mindestens zehn Prozent an statt bisher acht bis neun Prozent. Zudem baut das Institut den Verschuldungsgrad und die Risikopositionen kontinuierlich ab.
Das Engagement in abschreibungsgefährdete Großkredite zur Finanzierung von Übernahmen habe sich im Handelsbuch seit dem Ende des dritten Quartals halbiert, schrieb Ackermann. Insgesamt würden die Kreditausfallrisiken bei Unternehmen und Haushalten zwar zunehmen. "Doch dank der Qualität unseres Kreditbuchs und unserer Absicherungen sind wir in diesem Bereich relativ gut aufgestellt."
ssu/Reuters