Deutsche Bank: Chef Ackermann droht mit Steuerflucht - DER SPIEGEL
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Deutsche Bank Chef Ackermann droht mit Steuerflucht

Die Deutsche Bank macht Druck auf die Bundesregierung. Weil ihm die Steuerbelastung in Deutschland zu hoch ist, droht Vorstandschef Josef Ackermann damit, noch mehr Geschäftsbereiche des größten deutschen Geldinstituts ins Ausland zu verlagern. Die Ankündigung gibt früheren Gerüchten über einen kompletten Wegzug aus Frankfurt nach London oder New York neue Nahrung.
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Frankfurt am Main - Im zweiten Quartal hätten die Steuern 46 Prozent der Profite der größten deutschen Bank aufgefressen, berichtet die "Financial Times" (FT). "Wir müssen einen Weg finden, unsere Steuerbelastung zu verringern", sagte Josef Ackermann laut FT gestern in Frankfurt. "Wenn das bedeutet, dass wir mehr von unserem Geschäft in Länder verlagern, in denen die Steuern niedriger sind, sehen wir uns gezwungen, das zu prüfen."

Die Worte Ackermanns geben früheren Gerüchten neue Nahrung, nach denen die Deutsche Bank ihren Hauptsitz nach London oder New York verlagern will und damit erhebliche Spannungen mit der deutschen Politik riskiert. Bereits jetzt fährt die Deutsche Bank zwei Drittel ihrer Gewinne in Übersee ein und führt fünf ihrer sieben Geschäftsbereiche von England und den USA aus.

Die Deutsche Bank stellte laut "FT" gestern Abend jedoch klar, dass die Verantwortung, die Steuerbelastung zu verringern, nichts an der Verpflichtung ändere, die Bundesregierung bei den Reformprogrammen im Rahmen der Agenda 2010 zu unterstützen. "Theoretisch könnten wir das Geschäft nach Übersee auslagern. Doch wir haben momentan keine Pläne, das zu tun", zitiert die "FT" Deutsche-Bank-Offizielle.

Neben ihren Wegzug-Plänen hat die Deutsche Bank ein weiteres Aktienrückkaufprogramm angekündigt. Mit einem solchen Programm hatte Deutschlands größtes Kreditinstitut bereits in der Vergangenheit versucht, den eigenen Börsenwert zu steigern.

Bis September 2004 würden bis zu 58 Millionen Aktien - zehn Prozent aller ausgegebenen Anteilsscheine - zurückgekauft, teilte die Deutsche Bank am Donnerstag mit. Auf Basis des Schlusskurses von Mittwoch bei 56,65 Euro müsste die Deutsche Bank für 58 Millionen eigene Aktien 3,3 Milliarden Euro aufbringen.

Der Kauf erfolge auf Grundlage eines Beschlusses der Hauptversammlung im Mai und werde am Kassamarkt sowie durch den Verkauf von Put-Optionen umgesetzt. Die Bank will mit dem Rückkauf sowohl das Aktienkapital herabsetzen, aber auch mögliche Aktienvergütungsprogramme bedienen. Die Kernkapitalquote des Instituts werde am oberen Ende des Zielkorridors von acht bis neun Prozent verbleiben.

"Die Fokussierung auf die Rentabilität der Bank ist ein wesentlicher Bestandteil unserer derzeitigen Strategie", sagte Ackermann. "Durch das Aktienrückkaufprogramm zeigen wir unsere Bereitschaft, Überschusskapital direkt an unsere Aktionäre weiterzugeben." Ackermann bekräftigte zudem, mittelfristig vor Steuern eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent anzustreben.

Bereits im April diesen Jahres hatte die Deutsche Bank weitere Aktienrückkäufe angekündigt, nachdem sie zuvor eigene Anteilsscheine im Wert von drei Milliarden Euro erworben hatte.

Mit seinem Amtsantritt im Mai 2002 hat sich Bankchef Ackermann eine deutliche Wertsteigerung der Deutschen Bank auf die Fahnen geschrieben. Mit dem konsequenten Verkauf von Industriebeteiligungen und Randaktivitäten in Milliarden-Höhe sowie dem Rückkauf eigener Aktien soll der Börsenwert der Bank erhöht und das Institut in der ersten Liga der internationalen Investmentbanken etabliert werden.