Deutsche-Bank-Chef Breuer: "Ein herber Schlag" - DER SPIEGEL
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Deutsche-Bank-Chef Breuer "Ein herber Schlag"

Der Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer über die Terrorangriffe, die US-Mitarbeiter der Bank und die Folgen für die Weltwirtschaft
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL:

Die Deutsche Bank ist in den USA nach der Übernahme von Bankers Trust eines der großen Geldhäuser mit insgesamt 16000 Mitarbeitern in Amerika. Wie viele waren am Ort der Katastrophe?

Breuer: Wir hatten im World Trade Center, dem unmittelbaren Ort des Geschehens, 400 Beschäftigte. Und wir haben eine noch größere Operation im alten Gebäude von Bankers Trust in der Liberty Street - in unmittelbarer Nähe des World Trade Center und des World Financial Center. Da waren 1200 beschäftigt.

SPIEGEL: Die Mitarbeiter waren zu der frühen Uhrzeit auch alle anwesend?

Breuer: Die Mehrzahl ja.

SPIEGEL: Wann und wo haben Sie von dem Desaster in Manhattan erfahren?

Breuer: Wir hatten eine Vorstandssitzung im Haus und sind von unseren amerikanischen Mitarbeitern sowie von deutschen Kollegen, die die News in den Medien verfolgt hatten, informiert worden. Und dann hatten wir auch schon CNN und n-tv auf dem Bildschirm.

SPIEGEL: Im Vorstandszimmer?

Breuer: Ja.

"Talente sinnlos vernichtet"

SPIEGEL: Und dann war die Vorstandssitzung beendet?

Breuer: Ziemlich schnell. Wir sind an die Telefone und haben versucht, Kontakt aufzunehmen mit unseren Kolleginnen und Kollegen, vor allem natürlich mit denen am Unglücksort.

SPIEGEL: War das auf Grund der teilweise gestörten Telefonleitungen möglich?

Breuer: Zunächst nur sehr schwer. Es schien besser, dass die versuchten, uns zu erreichen, was in vielfacher Form geschehen ist, auch per E-Mail.

SPIEGEL: In welchen Stockwerken waren Ihre Leute untergebracht?

Breuer: Die arbeiteten im World Trade Center in den unteren Stockwerken. Das machte es auch möglich, dass sie nach dem Attentat, nach dem Aufprall des Fliegers, noch rechtzeitig evakuiert werden konnten. In der Liberty Street ist die Evakuierung ebenfalls gelungen. Ob danach jemand auf der Straße oder auf dem Heimweg Opfer geworden ist, vermögen wir noch nicht mit letzter Sicherheit zu beantworten.

SPIEGEL: Die Investmentbank Morgan Stanley hatte beispielsweise 21 Stockwerke im World Trade Center angemietet, auch viele andere Geldinstitute waren dort ansässig. Wurde Ihrer Einschätzung nach ein nennenswerter Teil der Finanzindustrie ausgelöscht?

Breuer: Das würde ich bei allem Respekt vor den Talenten, die da sinnlos vernichtet worden sind, in dieser Dramatik nicht sagen. Natürlich ist das ein herber Schlag für den Finanzplatz New York; aber es ist auch Nachwuchs vorhanden.

SPIEGEL: Die beiden zerstörten Türme sind viel mehr als nur bloße Bürotrakte, sie waren Symbol für den freien Welthandel und ein globales Finanzsystem. Handelt es sich auch um eine Attacke auf die internationalen Banken?

Breuer: Ich halte das, was geschehen ist - zusammen mit dem zweiten Anschlag auf das Pentagon -, für einen Angriff auf Amerika.

SPIEGEL: Welche Auswirkungen befürchten Sie auf die Börsen und Banksysteme?

Breuer: Da haben wir festzustellen, dass sie erstaunlich gut funktionieren. Also trotz der Tatsache, dass einige bedeutende Marktteilnehmer handlungsunfähig waren und es auch lange bleiben werden.

SPIEGEL: Welche Banken waren das?

Breuer: Die Bank of New York zum Beispiel war insbesondere betroffen. Unsere Ausweichsysteme haben dagegen prima gearbeitet, sie waren sofort funktionstüchtig; andere Banken haben etwas länger gebraucht. Man muss wirklich festhalten, dass kein Chaos an den Finanzmärkten ausbrach. Die US-Notenbank Federal Reserve hat hervorragend mitgewirkt. Sie ist auch in ihren Räumen in Manhattan geblieben, hat nur das Datenzentrum ausgelagert nach Philadelphia. Beispielhaft.

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