Deutsche Bank: Der Primus überzeugt - DER SPIEGEL
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Deutsche Bank Der Primus überzeugt

Deutschlands größtes Geldhaus hat den Gewinn im ersten Quartal deutlich gesteigert und übertrifft damit die Erwartungen der Analysten. Trotzdem brachen die Aktien der Deutschen Bank kurz nach Börseneröffnung ein.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Bereits kurz nach Handelsbeginn hatten Deutsche-Bank-Papiere 2,46 Prozent verloren. Händler erklärten die schweren Verluste mit Umschichtungen der Investoren.

Mit dem Spruch "sell on good news" ist der Kurssturz allerdings nicht zu erklären. Denn nach dem starken Auftaktquartal sieht Vorstandssprecher Josef Ackermann die Deutsche Bank auf Kurs zu dem für 2004 angepeilten Vorsteuergewinn von 6,5 Milliarden Euro und einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern. Das Institut werde bei anhaltend stabiler Entwicklung der Weltwirtschaft sowie der Finanzmärkte seine ehrgeizigen Ziele erreichen, äußerte er sich optimistisch in einem Brief an die Aktionäre.

"Wir haben eine bereinigte Eigenkapitalrendite vor Steuern von 22 Prozent erzielt, verglichen mit 13 Prozent im ersten Quartal des Vorjahres. Dies ist ein deutlicher Schritt in Richtung auf unser Ziel von 25 Prozent", erklärte Ackermann am Freitag. 2003 hatte die Bank vor Steuern knapp 2,8 Milliarden Euro verdient und eine (bereinigte) Eigenkapitalquote von 5,2 Prozent ausgewiesen.

Händler erwarten schwächeren Start der Aktie

Die Deutsche Bank   hat im Auftaktquartal ihre operative Stärke vor allem im Eigenhandel bewiesen und auch dank einer niedrigeren Risikovorsorge deutlich mehr verdient als erwartet. Dennoch rechneten Händler mit einem schwächeren Handelsauftakt der Aktie. Vorbörslich notierte der Wert bei rund 69 Euro, nachdem der Titel mit 70,30 Euro am Tag zuvor den Handel beendet hatte. Auf den ersten Blick kritisierten Beobachter die proportional zum Ergebnis gestiegenen Personalkosten.

Von Januar bis März 2004 lief das Kerngeschäft durchweg gut und mit einem Nettogewinn von 941 Millionen Euro übertraf die Bank die Analystenprognosen klar. 20 von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt unter dem Strich 821 Millionen Euro prognostiziert. Vor Steuern betrug der Gewinn 1,561 Milliarden Euro nach 234 Millionen Euro im Auftaktquartal 2003.

Analysten sprechen von sehr guten Zahlen

Im operativen Kerngeschäft, dem Zins-, Provisions- und Handelsergebnis, legte die Bank im traditionell starken ersten Quartal in einem freundlichen Marktumfeld zu. Vor allem der Eigenhandel entwickelte sich besser als erwartet und brachte den Angaben zufolge ein Ergebnis von 2,035 (Vorjahreszeitraum 1,784) Milliarden Euro, was klar über den Analysten-Schätzungen von 1,672 Milliarden lag.

Analysten sprachen in einer ersten Reaktion von sehr guten Zahlen. "Vor allem der Handel ist wahnsinnig gut gelaufen", sagte ein Frankfurter Analyst. Allein die Kostenseite müsse noch näher betrachtet werden. Hier habe die Bank noch Verbesserungsbedarf.

Die Kosten steigen wieder

Der größte Ergebnisbeitrag kam aus dem Provisionsüberschuss mit 2,403 (2,312) Milliarden Euro. Die Risikovorsorge für faule Kredite wurde für das Quartal deutlich zurück gefahren auf 123 (380) Millionen Euro, allerdings stieg der Verwaltungsaufwand etwas auf 4,47 (4,38) Milliarden Euro.

Der deutsche Branchenprimus lässt die heimische Konkurrenz weit hinter sich - die Commerzbank   steigerte ihren Nettogewinn auf für sie beachtliche 254 Millionen Euro, während die Münchener HypoVereinsbank   erst am Donnerstag die Investoren mit mageren 53 Millionen Euro nach Steuern enttäuscht hatte.

Der weltgrößte Finanzdienstleister Citigroup   ist deutlich profitabler als die Deutsche Bank, unter anderem wegen seiner erfolgreichen Konsumentenkreditsparte und dem Kreditkartengeschäft, was die Deutsche Bank nicht hat. Die Citigroup verdiente im ersten Quartal knapp 5,3 Milliarden Dollar.