Deutsche Bank Die Gewinne brechen weg
Frankfurt am Main - Eine Verlagerung wichtiger Konzernteile nach Großbritannien komme nicht in Frage, sagte der scheidende Vorstandssprecher bei der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt. Es werde weder eine Sitzverlegung, noch eine Verlagerung von Entscheidungszentren oder eine schleichende Aushöhlung wichtiger Funktionen geben, versicherte er. Die Stärke des größten deutschen Bankhauses liege in ihren Wurzeln am Standort Deutschland. "In London wären wir einer von vielen", sagte Breuer. "Dass wir hier sitzen, ist unser Konkurrenzvorteil". Daher seien alle Gerüchte über mögliche Verlegungen Unsinn.
Vor Steuern und einem kumulierten Effekt aus Änderungen der Bilanzierungsmethode sei ein Ergebnis von 1,8 Milliarden Euro nach 6,9 Milliarden Euro im Vorjahr erzielt worden, teilte die Bank am Donnerstag in einer Pflichtmitteilung mit.
Die massive Einbuße sei auf deutliche Rückgänge der Nettoerträge um 4,9 Milliarden Euro zurückzuführen. Das Nettoergebnis aus Wertpapieren "available for sale" sei um 2,2 Milliarden Euro zurückgegangen, außerdem seien die Abschreibungen und Wertberichtigungen bei Private Equity und Immobilienanlagen um 1,4 Milliarden Euro erhöht worden. Der Jahresüberschuss vor Effekt aus Steuersatzänderung habe 2001 bei 1,4 Milliarden Euro (zuvor 4,2 Milliarden Euro) gelegen. Das Handelsergebnis gab die Bank mit 6,031 Milliarden Euro an. Dies entspreche einem Rückgang um 1,6 Milliarden Euro. Ein Deutsche-Bank-Sprecher sagte, zum vierten Quartal gebe die Bank keinen Kommentar ab.
Trotz des Gewinneinbruchs hat sich die Deutsche Bank nach Ansicht ihres scheidenden Vorstandssprechers Rolf Breuer aber gut behauptet. Breuer verwies auf die schwache Entwicklung an den internationalen Finanzmärkten. Zudem habe das straffe Kostenmanagement gewirkt, so dass die Kosten im Vorjahresvergleich etwa unverändert geblieben seien. Insgesamt sei die Bank schlanker geworden und habe Potenzial für weiteres Wachstum geschaffen, zeigte sich Breuer überzeugt. Der Vorstand schlage daher eine unveränderte Dividende von 1,30 Euro je Aktie vor.
In den Geschäftsbereichen "Corporate and Investment Bank" (CIB) und "Private Clients and Asset Management" brachen die Ergebnisse ebenfalls weg. Das Ergebnis vor Ertragsteuern im Bereich CIB verringerte sich auf 2,703 Milliarden Euro, nach 4,129 Milliarden 2000. Vor dem Hintergrund der verschlechterten Marktbedingungen hätten die Erträge aus dem Handel mit festverzinslichen Papieren die Rückgänge im Aktienhandel und -Emissionsgeschäft teilweise kompensieren können. Die Nettoerträge beliefen sich 2001 den Angaben zufolge auf 17,436 Milliarden Euro.
Breuer wandte sich zugleoch entschieden gegen Spekulationen, sein Institut wolle mit seinem neuen Führungsmodell die Grenzen des deutschen Aktienrechts ausloten. "Wir sind keine Bank für Grenzfälle", sagte Breuer in der Jahrespressekonferenz seines Hauses. "Wir wollen uns klar nachvollziehbar und transparent an Recht, Gesetz und Satzung halten", fügte er hinzu. Etwas anderes komme nicht in Frage.
Das angelsächsische CEO-Konzept sei in Deutschland vor dem Hintergrund des Aktienrechts nicht einführbar und daher kein aktuelles und praktizierbares Thema. Auch sei nicht geplant, von einem Vorstandssprecher auf einen Vorstandsvorsitzenden überzugehen. Die Wahl des Sprechers aus dem Kreise der Kollegen gebe ihm eine besondere Stärke im Team, begründete er. Für die Zukunft zeigte er sich überzeugt, dass die Deutsche Bank auch weiterhin einen Vorstandssprecher haben sollte und keinen Vorstandsvorsitzenden.
Breuer stellte zugleich klar, dass das neue Group Executive Committee der Bank nicht den Konzernvorstand ersetze, sondern dessen Entscheidungen vorbereite. Der Vorstand bleibe für die Führung der Geschäfte verantwortlich, das Committee erstatte an ihn Bericht.