Deutsche Bank Jobs fallen weg, Börsenaufsicht ermittelt
Frankfurt am Main - Das größte Bankhaus Deutschlands wird am Donnerstag voraussichtlich bekannt geben, dass der geplante Abbau von 2600 Jobs angesichts der düsteren Konjunkturaussichten nicht ausreiche. Noch aber sind verschiedene Zahlen im Umlauf: Während die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise berichtet, dass bis Mitte 2003 knapp 6000 Arbeitsplätze wegfallen sollen, will das "Handelsblatt" erfahren haben, dass 10.000 Stellen gestrichen werden. Damit würde jede zehnte Stelle der Bank abgebaut.
Die Deutsche Bank lehnte eine Stellungnahme am Mittwoch aber ab. Das Institut beschäftigt bisher insgesamt rund 97.000 Mitarbeiter.
Mit der Vorlage ihrer Geschäftszahlen kam die Bank einer möglichen Forderung der US-Aufsichtsbehörde SEC zuvor, die Zahlen schon vor dem angekündigten Termin am Donnerstag zu veröffentlichen. Durch eine Indiskretion waren sie bereits an die Öffentlichkeit gelangt.
"Informationsleck" könnte juristisches Nachspiel haben
Das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel (BAWe) hat gegen die Deutsche Bank eine Prüfung wegen des Verdachts auf Verstoß gegen die Vorschriften zur Ad-hoc-Publizität eingeleitet. Wie eine BAWe-Sprecherin sagte, werde zudem gegen Unbekannt ermittelt, ob es sich im Falle der vorab bekannt gewordenen Neunmonatszahlen um eine "unbefugte Weitergabe von Insiderwissen" handele. Im Falle eines Verstoßes gegen die Ad-Hoc-Publizität kann ein Bußgeld bis zu drei Millionen Mark verhängt werden.
Der Deutschen Bank drohen nach Auffassung von Analysten außerdem Sanktionen der US-Börsenaufsicht SEC. Angesichts des US-Listings der Frankfurter Bank sei ein "Infornmationsleck" kein Kavaliersdelikt mehr, so Experten. Allerdings habe die Deutsche Bank mit der vorgezogenen Ad-hoc schnell reagiert und die Zahlen noch vor Beginn des US-Handels in den Markt gegeben. "Dadurch ist sie der Sache möglicherweise entronnen", vermutete ein Analyst. Insgesamt sei das Bekanntwerden des Quartalsgewinns "ein Novum". Falls der Verantwortliche ermittelt werden könne, werden nach Einschätzung des Bankexperten "Köpfe rollen".
Zahlen ohne Überraschungspotenzial
Das Neunmonatsergebnis entsprach weitgehend den Prognosen der Analysten. Der Gewinn nach Steuern betrug 2,754 Milliarden Euro, der Vorsteuergewinn 3,658 Milliarden. Analysten hatten für diese Werte im Mittel rund 2,7 beziehungsweise 3,6 Milliarden Euro angesetzt.
Besser als erwartet lag indes das Handelsergebnis mit 6,879 Milliarden Euro. Hier hatten Experten mit Resultaten zwischen 6,2 Milliarden und 6,4 Milliarden Euro gerechnet. Weiteren Angaben zufolge erzielte das Institut eine auf 16,4 Prozent (gegenüber 28,7 Prozent im Vorjahr) verringerte Eigenkapitalrendite nach Steuern. Der Verwaltungsaufwand verringerte sich nach Angaben der Bank im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um acht Prozent. Damit zeigten die Anfang des Jahres eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen Wirkung, hieß es. Im Vergleich zur Vorjahresperiode wurde indes eine Ausweitung des Verwaltungsaufwandes ausgewiesen.
Wie die Bank weiter erläuterte, belastete das Ergebnis aus Finanzanlagen das dritte Quartal mit 408 Millionen Euro. Bei den eigenen Investments der Bank hätten nachgebende Kurse im Jahresverlauf sowie besonders der Einbruch nach dem 11. September zu entsprechenden Marktwertanpassungen und Wertberichtigungen geführt.