Deutsche Bank Leo Kirch will Dividende kippen
Hamburg - Die Bilanz 2006 gebe "kein zutreffendes Bild von der wirtschaftlichen Lage der Gesellschaft", heißt es zur Begründung in einem Schreiben an den Bank-Vorstand, das dem SPIEGEL vorliegt. Die Deutsche Bank hätte laut Leo Kirch und seiner Mitstreiter in der Bilanz Rückstellungen für den drohenden Schadensersatz von 1,4 Milliarden Euro bilden müssen, den Kirch derzeit von der Bank einfordert. Eingereicht wurde das Schreiben heute über die Rechtsanwälte von Kirchs Frau Ruth, die ebenfalls Aktien der Deutschen Bank besitzt. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte, er habe bisher keine Kenntnis von dem Gegenantrag.
Zwar kann Kirch für den Antrag auf der Aktionärsversammlung kaum Unterstützung erwarten. Doch der Streitpunkt ist für den 80-Jährigen ein weiterer Baustein in einer Reihe rechtlicher Auseinandersetzungen, mit denen Kirch die Gremien der Deutschen Bank und ihren Ex-Vorstandschef Rolf Breuer seit der Pleite seines Medienimperiums vor fünf Jahren unter Druck zu bringen versucht. Hätte Breuer in einem TV-Interview im Februar 2002 nicht die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe öffentlich angezweifelt, wäre eine Insolvenz des Konzerns zu vermeiden gewesen, argumentiert Kirch seit Jahren.
Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte im Januar 2006 in einem Urteil zwar Breuer und die Deutsche Bank grundsätzlich für schadensersatzpflichtig erklärt, dies aber auf eine Tochterfirma der Kirch-Gruppe beschränkt, mit der die Bank damals einen direkten Kreditvertrag hatte. Auch muss Kirch die Höhe des Schadens noch in einer neuen Klage erkämpfen - das ist bisher nicht geschehen.
Kirchs Anwälte haben die Bank bisher nur schriftlich aufgefordert, knapp 1,4 Milliarden Euro für den Schaden bei der betroffenen Tochterfirma zu zahlen und eine Klage angedroht, sollte die Deutsche Bank das Geld nicht bis zum 30. Januar überweisen. Darüber hinaus verlangen Kirch und seine Anwälte gut zwei Milliarden Euro Schadensersatz für die KGL Pool, ein Unternehmen, in dem diverse Kirch-Firmen gebündelt sind hier
wurde dem Institut eine Frist bis zum 12. Februar gesetzt. Die Bank hat die Forderungen jedoch als unbegründet zurückgewiesen und verstreichen lassen.
Zugleich scheint in dem Millionenstreit zwischen dem
Insolvenzverwalter der Kirch-Dachgesellschaft Taurus Holding, Kurt Bruder, und Leo Kirch eine außergerichtliche Einigung möglich. Ein für kommenden Montag angesetzter Prozesstermin wurde auf den 25. Juni vertagt, weil es Gespräche beider Seiten über eine Einigung gebe, hieß es aus Bruders Kanzlei.
Der Taurus-Insolvenzverwalter fordert von Kirch, seinem Vize Dieter Hahn und weiteren engen Vertrauten über neun Millionen Euro Schadensersatz: Sie hätten, so der Vorwurf, aus dem
Unternehmen noch Millionenbeträge entnommen, als die Firma bereits überschuldet gewesen sei und Insolvenz hätte müssen. Wie eine mögliche Einigung aussieht, wurde bisher nicht bekannt.