Deutsche Börse Aufsichtsratschef Breuer droht das Aus
Frankfurt am Main - Der Widerstand der Aktionäre gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutsche Börse AG, Rolf Breuer, wächst. Nach dem britischen Hedge-Fonds TCI will nun Informationen des SPIEGEL zufolge auch die Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka Breuer bei der Hauptversammlung am 25. Mai wegen der versuchten Übernahme der Londoner Börse LSE die Gefolgschaft verweigern. "Wir werden uns bei dem Abwahlantrag gegen Breuer der Stimme enthalten", kündigte Fritz Oelrich, Vorstandschef der DekaBank, an. Hintergrund der Deka-Entscheidung könnte sein, dass Breuer als früherer Präsident des Bankenverbandes die Sparkassenorganisation immer wieder mit teilweise harscher Kritik bedacht hatte.
Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS) berichtete daraufhin unter Berufung auf Frankfurter Finanzkreise, mittlerweile sei auch einen Rücktritt Breuers auf außerordentlichen Aufsichtsratssitzung möglich. Auf der Sitzung wird ein Fazit der Werbetour des Vorstands bei wichtigen in- und ausländischen Investoren gezogen und die weitere Strategie beraten.
Die Deutsche Börse hat laut "FAS" den angelsächsischen Gegnern unter ihren Aktionären ein weiteres Kompromissangebot unterbreitet. Danach soll ein Nominierungs-Komitee vor der Hauptversammlung eine Kandidatenliste für einen neuen Aufsichtsrat ausarbeiten und auch über einen neuen Vorstandschef verhandeln, berichtet die Zeitung. Der Vorschlag sei unter einigen Opponenten zwar auf Interesse gestoßen. Sie hätten aber klar gemacht, dass zuvor Breuer und der Vorstandsvorsitzende Werner Seifert ihre Posten abgeben müssten.
Fast die Hälfte der Aktionäre aus Großbritannien
Laut SPIEGEL liegen nur noch sieben Prozent der Aktien der Deutschen Börse in der Hand deutscher Investoren. Der Rest der Aktionäre kommt aus dem Ausland, davon etwa 48 Prozent aus Großbritannien. Grund sei, dass viele deutsche Fondsgesellschaften die Anteile gegen eine Gebühr an andere Investoren verliehen haben, um die Erträge ihrer Fonds zu steigern. Auch die Stimmrechte auf der Hauptversammlung gehen dann auf den Entleiher über.
Mit der Deka hätten die kritischen Aktionäre um TCI einen Bundesgenossen aus Deutschland gefunden. Der Kampf um die Macht in der Deutschen Börse AG tobt seit Wochen. TCI hatte Anfang März an der Spitze mehrerer Kritiker den Abbruch der geplanten Übernahme der Londoner Börse erzwungen. TCI und der New Yorker Hedgefonds Atticus halten gemeinsam rund 15 Prozent der Anteile an der Deutschen Börse. TCI-Manager Christopher Hohn hatte Mitte April formell beantragt, Breuer auf der Hauptversammlung abwählen zu lassen.
Im Kern geht es bei der Auseinandersetzung um einen Machtkampf zwischen Management und Aufsichtsrat auf der einen und angelsächsischen Großaktionären auf der anderen Seite. Mit fehlender Rückendeckung des deutschen Anteilseigners scheint auch ein Rücktritt Breuers nicht mehr ausgeschlossen.