Deutsche Börse Totalausfall beim Computer-Handel
Frankfurt am Main - Bis kurz vor neun Uhr sah es für Börsenhändler noch nach Alltag aus: Die Finanzberichte aus New York und die Vorgaben aus Tokio waren die Gesprächsthemen. Um kurz nach neun Uhr aber musste die Deutsche Börse einräumen, was bis dahin schon offensichtlich geworden war: Nichts ging mehr im Computer-Handelssystem Xetra. Erst um 11 Uhr begann der elektronische Aktienhandel erneut, der deutsche Aktienindex zog in den ersten Handelsminuten um 0,49 Prozent auf 5.269,96 Punkte an.
In der Zwischenzeit war auf dem Finanzplatz Frankfurt nur per Handzeichen auf dem Parkett gehandelt worden wie in vergangenen Zeiten. Die Kurse von Indizes wie dem Dax wurden nicht errechnet. Ein Börsensprecher sagte, die Ursache der technischen Panne sei bislang unklar.
"Wie viele oder welche der über 600 Teilnehmer in Europa betroffen sind, versuchen wir gerade zu klären", hatte ein Sprecher der Deutschen Börse während der Handelsunterbrechung gesagt. Über das Computersystem Xetra werden rund 86 Prozent des Aktienhandels in Deutschland abgewickelt, der Rest entfällt auf den Parketthandel an der Frankfurter Wertpapierbörse und an den Regionalbörsen von Hamburg bis München.
Eigentlich sollte das Computersystem Xetra jahrelang rund um die Uhr ohne Probleme arbeiten. Doch der Ausfall war bereits die dritte gravierende Störung des Systems für "Exchange Electronic Trading" (Xetra) innerhalb von fünf Jahren. Am 18. Juli 2000 hatte die Xetra-Rechner bereits dreieinhalb Stunden lang stillgestanden. Eine weitere Handelsunterbrechung gab es im November vergangenen Jahres.
Im Juli 2000 konnten sich die Handelsteilnehmer nicht mehr auf dem Xetra-Rechner , weil sie sich technisch nicht auf dem Server konnten. Für die Störung im November 2001 machte die Deutsche Börse einen Fehler im Netzwerkprogramm des Betriebssystems verantwortlich, das die Verbindung der Zentralrechner mit den Handelssystemen steuert.
Das Xetra-System besteht im Prinzip aus drei Stufen. In Frankfurt arbeitet ein zentraler Server (Xetra-Backend). Daran sind über Internet-Technologie die so genannten Xetra-Frontends angeschlossen, über die die Xetra-Teilnehmer auf das System zugreifen.
An diese Xetra-Frontends können wiederum weitere Rechner der Händler über eine programmierbare Schnittstelle zugreifen. Der zentrale Server ist durch Ersatz-Hardware gegen einen Ausfall gesichert.
Als Betriebssystem für den Xetra-Zentralrechner haben sich die Techniker der Börse für das sehr robust geltende VMS (Virtual Memory System) entschieden, das vom Computerhersteller Digital Equiment (DEC) entwickelt worden war. DEC ist im Computerkonzern Compaq aufgegangen, der wiederum vom IT-Hersteller Hewlett-Packard übernommen werden soll.