Deutsche Rentner: Generation der Quengler - DER SPIEGEL
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Deutsche Rentner Generation der Quengler

Die Senioren in der Bundesrepublik beschweren sich über die Höhe ihre Alterseinkünfte: Sie hätten ein Drittel weniger zur Verfügung als in den Zeiten, als sie noch arbeiteten. Gar nicht übel, kontern Wirtschaftsexperten - die Rentner sollten sich nicht so anstellen.
Von Karsten Stumm
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Deutschlands Ruheständler klagen. Ihre Lage sei schlecht und die Aussichten noch schlimmer. Mittlerweile murren sie so laut, dass Wissenschaftler genauer wissen wollen, was den Seniorinnen und Senioren auf die Seele drückt. Das Ergebnis überrascht.

Rund 70 Prozent der aktuellen Rentner und Pensionäre geben an, über weniger Einkünfte als am Ende ihrer Berufstätigkeit zu verfügen - und das auch noch deutlich. Unter dem Strich bleibt ihnen im Schnitt 32 Prozent weniger Geld zum Ausgeben, als sie während ihrer aktiven Zeit zur Verfügung hatten, ermittelte jetzt das Institut für Demoskopie in Allensbach.

Mehr als alle anderen Berufsgruppen ziehen dabei die Arbeiter im Ruhestand ein Negativ-Resümee: Nahezu 79 Prozent geben an, weniger Geld als bisher zur Verfügung zu haben. Von den pensionierten Beamten sagen das nur rund 52 Prozent.

Die Lage der Seniorinnen und Senioren ist aber womöglich weniger schlecht als ihre Stimmung. Nach Angaben des Bundesministerium für Arbeit und Soziales haben deutsche Rentnerehepaare derzeit im Schnitt mehr als 2360 Euro netto pro Monat zur Verfügung, staatliche und sonstige Altersicherungsleistungen zusammengerechnet. Das sind gerade einmal 400 Euro weniger als das Haushaltsnettoeinkommen all der Bundesbürger ausmacht, die Tag für Tag zur Arbeit gegangen sind, hat das Statistische Bundesamt für das Jahr 2003 ermittelt.

Gefühlte Armut

Sozialexperten halten das Umfrageergebnis des Instituts für Demoskopie dann auch für weitaus besser, als es die Befragten selbst empfinden. "Im Alter 70 Prozent des letzten Nettogehaltes zur Verfügung zu haben, ist gar nicht so übel, wenn man bedenkt, welche Ausgaben im Ruhestandsalter wegfallen", sagt Wirtschaftsforscher Jochen Pimpertz, Leiter des Arbeitsbereichs soziale Sicherung beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW).

Die wenigsten Rentner und Pensionäre müssten schließlich noch Beiträge für Berufsunfähigkeitsversicherungen, Risiko- oder Kapitallebensversicherungen aufbringen, auch fallen Ausgaben für die eigenen Kinder weg. Zudem gaben 40 Prozent der befragten Senioren an, ein Eigenheim zu besitzen und somit mietfrei zu leben. "Unter dem Strich können Alterseinkünfte in Höhe von 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens durchaus reichen, um den Lebensstandard aus der Zeit des Berufslebens zu halten", sagt Pimpertz zu manager-magazin.de.

Deutschlands Seniorinnen und Senioren sind dann auch weitaus seltener von Armut bedroht als andere Altersgruppen. Das Statistische Bundesamt beispielsweise hat ermittelt, dass weitaus mehr junge Familien auf Sozialhilfe angewiesen sind als Rentner und Pensionäre. "Es gibt in keiner Sozialuntersuchung dafür Belege, dass die deutschen Ruheständler derzeit massenhaft von Altersarmut bedroht sind. Im Gegenteil: Sie sind im Schnitt mehr als hinreichend abgesichert", sagt IW-Forscher Pimpertz.

Generation Doppelzahler

Einen Grund für die gute Lage der jetzigen deutschen Ruheständler haben Wirtschaftsforscher des Münchener Ifo-Instituts ermittelt. "Die gegenwärtigen Rentner sehen sich einer für sie günstigen Situation gegenüber: sie haben viele Kinder und wenige Enkel", sagt Ifo-Forscher Robert Fenge.

Die Babyboomer-Generation unterstütze die jetzigen Ruheständler mit einer großen Zahl von Rentenbeitragszahlern. Hinzu komme, dass diese Beitragszahler auf Grund ihrer geringen Kinderzahl auch noch höhere Einkommen und damit höhere Beiträge in die Rentenkasse einzahlen.

Dafür sorgten vor allem erwerbstätige Frauen: Wer von ihnen wenige oder keine Kinder habe, arbeite in der Regel mehr und trage entsprechend mehr zur Finanzierung der Renten bei.

"Durch ihre geringe Zahl an Enkeln fällt den jetzigen Rentnern ein Rentengewinn zu, der ihnen meist gar nicht bewusst ist", ergänzt Ifo-Experte Fenge.

Sein Fazit: "Die heutigen Rentner erzielen durch die Kinderlosigkeit der jetzigen Beitragszahler einen Rentengewinn von schätzungsweise 7 Prozent ihrer gesamten Rente."