Deutsche Telekom 2001 mit Rekordverlust
Bonn - Die Zahlen sorgten für ein kleines Erdbeben, denn sie übersteigen die Befürchtungen der Experten deutlich. Analysten hatten mit einem Verlust nach Sonderposten von 2,3 Milliarden Euro gerechnet. Ein Jahr zuvor war noch ein Plus von 5,9 Milliarden Euro angefallen.
Als Ursache für die Veränderung nannte das Unternehmen die hohen Abschreibungen auf Firmenwerte, UMTS-Lizenzen sowie Zinsaufwendungen. So habe sich die erstmalige Eingliederung des US-Mobilfunkkonzerns VoiceStream mit 2,4 Milliarden Euro belastend ausgewirkt. Der Zinsaufwand für Darlehen im Zusammenhang der Finanzierung der UMTS-Mobilfunklizenzen schlug mit einer Milliarde Euro ergebnismindernd in der Telekom-Bilanz zu Buche.
Trotzdem sei die operative Ertragskraft des Unternehmens in den Kerngeschäften gestiegen, vor allem aber im Mobilfunk. So habe sich erstmals seit dem Beginn der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes 1998 das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wieder erhöht. Es kletterte gegenüber 2000 um 17 Prozent auf 15,1 Milliarden Euro. Deutlich zugelegt hat die Telekom auch beim Umsatz mit einem Plus von 18 Prozent auf 48,3 Milliarden Euro. Im Geschäftsjahr 2000 hatte der Bonner Telefonriese noch einen Gewinn von 5,9 Milliarden Euro erwirtschaftet. Dieses Ergebnis war aber nur durch Erlöse aus Beteiligungsverkäufen zu Stande gekommen.
Nach dem gleichen Rezept hatte auch das Ergebnis für 2001 aufgebessert werden sollen. Vor allem außerordentliche Erträge aus dem Verkauf des TV-Kabelnetzes an den US-Medienriesen Liberty Media in Höhe von 5,5 Milliarden Euro waren eingeplant. Ende Februar genehmigte das Bundeskartellamt jedoch den Verkauf nur unter strengen Auflagen, die Liberty-Media-Chef John Malone nicht akzeptierten wollte.
Durch das Scheitern sei die Telekom beim Verkauf ihres Kabelnetzes um zwölf Monate zurückgeworfen worden, sagte Telekom-Vorstand Gerd Tenzer am Montag in Bonn bei der Vorstellung des 1. Umweltberichtes. Die Telekom werde aber mit Hochdruck daran arbeiten, einen neuen Käufer zu finden.
Ende vergangenen Jahres stand die größte europäische Telekommunikationsgesellschaft bei ihren Geldgebern mit mehr als 60 Milliarden Euro in der Kreide. Für den Schuldenabbau fest eingeplant hat die Telekom ferner zehn Milliarden Euro aus dem geplanten Börsengang ihrer Tochtergesellschaft T-Mobile. Als mögliche Termine wurden Juni oder November genannt. Inzwischen wird aber wegen der angespannten Lage an den Kapitalmärkten eine erneute Verschiebung nicht ausgeschlossen.