Deutsche Telekom Abschiedsangebot für T-Online
Hamburg - Es sollte der Star unter den Internetfirmen werden, ein deutsches America Online. Die Manager träumten von einem neuen Medienhaus, das den etablierten Verlagen das Fürchten lehren sollte. Den Aktionären versprachen sie schnelles Wachstum, rasche Kursgewinne und mühelosen Reichtum.
Doch nun ist der Traum, geboren in den Endtagen der Interneteuphorie, vorbei. T-Online solle voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2005 komplett in der Deutschen Telekom aufgehen, teilte das Unternehmen am Samstag mit. Daher werde es auch einen Umtausch von T-Online-Aktien in Telekom-Aktien geben. Die Telekom hält derzeit 73,9 Prozent an ihrer Online-Tochter. Weitere 20,4 Prozent liegen im Streubesitz und ein Paket von 5,7 Prozent gehört der französischen Lagardère-Gruppe.
T-Online gilt seit langem als Sorgenkind innerhalb des Konzerns. Nur mit Mühe hatte T-Online-Chef Thomas Holtrop den defizitären Internet-Service-Provider seit dem Börsengang in die Profitabilität geführt. Die Auslandstöchter in Frankreich und Spanien, die beide enorm unter Wettbewerbsdruck stehen, hatten ihm die Arbeit nicht sehr erleichtert. Der große Durchbruch für Wachstum und Gewinne ist immer noch nicht in Sicht.
Deshalb stellte sich in der Bonner Zentrale schon seit längerem die Frage, ob eine selbständige Tochter auf die Dauer gesehen so viel zur Wertschöpfung im Gesamtkonzern beiträgt, dass sich die Selbständigkeit lohnt, oder ob eine Integration von Festnetz und Internet nicht doch der viel versprechendere Ansatz ist.
Dass die Selbständigkeit von T-Online auf der Kippe stand, wurde spätestens nach dem Rücktritt von Konzernchef Thomas Holtrop Anfang September deutlich. Statt die Stelle mit einem mächtigen Nachfolger zu besetzen, berief Telekomchef Kai-Uwe Ricke Finanzvorstand Rainer Beaujean und stattete ihn mit wesentlich weniger Macht aus.