Deutsche Telekom: Konjunktur für Meckerer - DER SPIEGEL
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Deutsche Telekom Konjunktur für Meckerer

Das Gezerre um die mögliche Ablösung von Ron Sommer schadet nicht nur Bundeskanzler Gerhard Schröder. Auch die Deutsche Telekom selbst droht durch das Polit-Theater schweren Schaden zu nehmen.
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Bonn - Die Gelegenheit ist günstig in diesen Tagen. Wer auf die Telekom-Spitze eindreschen will oder auf das unprofessionelle Krisenmanagement der Politiker, findet leicht Gehör. Im WDR kritisierte der frühere BDI-Präsident Hans Olaf Henkel am Dienstag die nicht enden wollende Diskussion um den Chefsessel: "Wer hat bei deutschen Firmen eigentlich das Sagen, die Politik oder der Aufsichtsrat?", fragte er.

Dass Politiker jetzt Aktionären hinterherlaufen, ist für Henkel der eigentliche Skandal. Offenbar geht es der Bundesregierung, die noch vor wenigen Wochen Sommer Rückendeckung gab, nur ums Stimmvolk - fast drei Millionen Kleinanleger sind kein Pappenstiel. Der Telekom-Chef, den die Regierung für den dramatischen Fall der T-Aktie verantwortlich macht, soll das Bauernopfer werden.

Für das Image der Telekom, die sich als "Global Player" im internationalen Telekom-Geschäft sieht, ist der öffentlich ausgetragene Streit alles andere als förderlich. Lars Labryga, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, brachte am Dienstag seine Empörung über das anhaltende Führungsdebakel bei der Deutschen Telekom mit sarkastischem Spott zum Ausdruck: "In der unsäglichen Kandidatendiskussion fehlt jetzt nur noch, dass Manfred Krug als neuer Telekom-Chef präsentiert wird."

Auch John Stanton, Chef der US-Mobilfunktochter VoiceStream, spricht aus, was Anlegern auf den Nägeln brennt: "Die Investoren in den USA verlieren das Vertrauen in den Konzern". Bei allem Streit über die Top-Personalie sei die Konzernstrategie völlig in den Hintergrund getreten. Diese hätten in den vergangenen Jahren alle Vorstände getragen und sie war vom Aufsichtsrat genehmigt worden. Mit Mobilfunk, Online-Geschäft, Festnetz und Systemgeschäft setzt die Telekom auf vier Sparten und baute sie durch Akquisitionen systematisch aus.

Schlimmer noch aber könnte sich auswirken, dass sich die Kritik an der Geschäftsführung Sommers längst zu einer Pauschalverurteilung aller Kandidaten ausgewachsen hat. Während der Telekom-Aufsichtsrat in Bonn noch über die Führungsfrage debattiert, steht für die Aktionärsschützer schon fest, dass weder Telekom-Chef Ron Sommer noch der als Nachfolger gehandelte Technik-Vorstand Gerd Tenzer in der Lage sind, das Schicksal der Telekom noch zu wenden.

Matthias Schröder vom Vorstand des Deutschen Anlegerschutzbundes verlangte: "Es muss ein Sanierer her, einer, der auch international anerkannt ist. Das ist nicht Sommer - und schon gar nicht Tenzer." Beide könnten bestenfalls Platzhalter für einen neuen starken Mann sein, meinte Schröder.

Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) betonte im Deutschlandfunk: "Was der Konzern jetzt wirklich braucht ist ein Sanierungsfachmann, ein Finanzfachmann, der in der Lage ist, in überschaubarer Zeit die enorme Schuldenlast von über 65 Milliarden Euro abzubauen." Außerdem müssten die gesamte Strategie des Konzerns überdacht und Teilbereiche auf den Prüfstein gestellt werden. Erst wenn dieser Manager gefunden sei, werde man bei der Telekom wieder steigende Kurse sehen. Dagegen ist die Strategie der Telekom nach Ansicht von Analysten und Branchenexperten keineswegs fehlgeschlagen. Im Vergleich zu Konkurrenten wie France Télécom steht das Unternehmen trotz des Schuldenbergs im internationalen Vergleich sogar gut da.

Den Abbau der Schulden, die wesentlich zum Kursverfall beigetragen haben, erklärte der Vorstand längst zur obersten Priorität und legte ein Sparprogramm auf. Nach den jetzigen Plänen sollen die Verbindlichkeiten bis 2003 auf 50 Milliarden Euro schrumpfen. Helfen soll dabei auch der Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile, der wegen des schlechten Stimmung an der Kapitalmärkten immer wieder verschoben wurde.

Diese Strategie kann vermutlich auch ein neuer Telekom-Chef nicht völlig umkrempeln. Hätte die Telekom ihre Internationalisierung verpasst, hielt Sommer seinen Kritikern immer wieder entgegen, wäre das Unternehmen heute ein kleiner regionaler Anbieter.