Deutsche Telekom Kredit verspielt
London - Nach einer wochenlangen Überprüfung der Bonität ortet Moody's das größte Risiko in der Telekom-Tochter T-Mobile USA. Die US-Tochter stelle ein finanzielles Risiko dar, da hier Finanzmittel abflössen. Die langfristigen Verbindlichkeiten der Telekom würden nun mit Baa3 statt bislang Baa1 bewertet, teilte Moody's mit. Kurzfristige Schulden würden mit Prime-3 statt bislang Prime-2 eingestuft. Der Ausblick sei jedoch stabil. Die Senkung der Bewertung um zwei Stufen fiel kräftiger aus als von Analysten erwartet.
An der Börse rutschten die Aktien der Telekom nach der Bekanntgabe der neuen Kreditbewertung zunächst deutlich in die Minuszone und verloren mehr als vier Prozent auf 12,97 Euro. Im weiteren Handelsverlauf verringerte sich das Minus auf 0,7 Prozent bei 13,47 Euro.
Moody's rechnet damit, dass die derzeitige Verschuldung der Telekom höher sei als noch vor Jahresfrist erwartet und im laufenden Jahr nicht so stark sinken werde, wie von dem Unternehmen geplant. Die schwachen Marktbedingungen erschwerten den Verkauf von Unternehmenswerten, begründete die Agentur ihre Skepsis.
Ein Analyst in London bewertete die Herabstufung der Telekom-Bonität auf die letztmögliche Stufe mit Investmentstatus als "Ohrfeige". Die Telekom habe entscheidende Fortschritte beim Schuldenabbau gemacht. "Der Schritt erscheint mir etwas hart zu sein", sagte der Analyst.
Die Telekom bekräftigte unterdessen ihren Willen zum Schuldenabbau und äußerte sich enttäuscht über die deutlicher als erwartet ausgefallene Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch Moody's. Die Ratingagentur habe die jüngsten Fortschritte beim Schuldenabbau nicht gewürdigt, sagte ein Sprecher.
"Wir sind überzeugt, dass wir das Schuldenziel erreichen werden", fügte der Sprecher hinzu. Als Obergrenze der Verschuldung hatte die Telekom den dreifachen Wert des für dieses Jahr erwarteten operativen Gewinns (Ebitda) genannt, was nach der derzeitigen Prognose einem Schuldenstand von knapp 50 bis rund 53 Milliarden Euro entspricht. Zum Ende des dritten Quartals 2002 verzeichnete die Telekom einen Schuldenstand von 64 Milliarden Euro.
Unmittelbare wirtschaftliche Auswirkungen auf die Telekom in Form höherer Zinskosten hat die gesunkene Bonität nicht. Höhere Zinskosten fielen nicht an, da die an die am Markt befindlichen Unternehmensanleihen gekoppelten Zinssätze nur dann steigen, wenn die beiden führenden Ratingagenturen, Moody's und Standard & Poor's, die Bonität der Telekom herabstufen. Standard & Poor's sieht aber derzeit keine Veranlassung, das Rating der Telekom zu überprüfen.
Bei der Neuemission von Anleihen muss die Telekom jedoch damit rechnen, dass sie ihre Anleihen mit einem höheren Zinskupon ausgeben muss. Am Bondmarkt stiegen die Renditen der Telekom-Anleihen im Zuge der Herabstufung der Bonität bereits an.