Deutsche Telekom Mitarbeiter streiken auch am Wochenende
Bonn/Hamburg - In einem Interview wiederholte Obermann noch einmal seine Drohung, Service-Sparten zu verkaufen, sollte sich keine einvernehmliche Lösung mit Ver.di erzielen lassen. In diesem Fall könne die Deutschen Telekom zu Verkäufen gezwungen sein, um die Kosten in den Griff zu kriegen, sagte Obermann der "Bild am Sonntag". Für die Mitarbeiter wäre das sicher die schlechtere Lösung, wird Obermann zitiert.
Von einem solchen Szenario lässt sich Ver.di allerdings wenig beeindrucken. Verdi-Sprecher Jan Jurczyk sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Verkauf der Service-Gesellschaften sei "wenig wahrscheinlich, weil sie das operative Herz der Telekom sind".
Um den Forderungen Nachdruck zu verleihen, will Ver.di den am Freitag begonnenen ersten Streik in der Telekom-Geschichte auch am Wochenende fortsetzen. Betroffen sein werden laut Ver.di speziell die Bereitschaftsdienste. So könnten Anrufe bei Call Centern länger dauern, sagte eine Telekom-Sprecherin heute. Das Unternehmen versuche aber, dies aufzufangen. Beim technischen Kundendienst seien die Auswirkungen am Wochenende voraussichtlich geringer als noch am ersten Streiktag am Freitag. Am Samstag arbeite der technische Kundendienst generell weniger als an Werktagen.
Kunden von T-Punkten müssten sich weiterhin keine Sorgen machen, da diese nicht bestreikt würden. Auch Handy-Kunden seien nicht von den Streiks betroffen. Es sei auch nicht zu befürchten, dass es am Wochenende Probleme mit dem Netz geben könnte, sagte die Sprecherin. Durch die sogenannte Notdienstverordnung sei die Aufrechterhaltung des Netzes gesichert.
Am Freitag hatten mehr als 11.000 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. Privatkunden bekamen von dem Arbeitskampf nach Gewerkschaftsangaben aber zunächst nur wenig zu spüren.
Der Streik richtet sich gegen die Pläne des Telekom-Vorstands, 50.000 Arbeitsplätze in eigenständige Tochterfirmen unter der Dachbezeichnung T-Service auszulagern. Die Beschäftigten sollen dort neun Prozent weniger verdienen und 38 statt 34 Stunden pro Woche arbeiten.
Obermann betonte in dem Interview seine Gesprächsbereitschaft und forderte die Gewerkschaft auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren: "Wir verlieren Monat für Monat Tausende von Kunden, weil die Preise weiter dramatisch nach unten gehen. Das sind die Realitäten, an denen wir nicht vorbei kommen. Darum appelliere ich noch einmal an Ver.di, mit uns zusammen, eine konkurrenzfähige Telekom zu bauen." Es gebe keine Alternative zum Reformkurs.
Obermann sagte, die Telekom sei gut für den Arbeitskampf gerüstet: "Wir haben uns so gut wie möglich auf den Streik vorbereitet und werden alles dafür tun, dass unsere Kunden wenig davon merken." Vom Streik betroffen sei der Kundenservice, also Außendienst und Callcenter, wo es zu Verzögerungen oder schlechter Erreichbarkeit kommen könne, sagte der Telekom-Chef, der zugleich Verständnis für die Wut der Mitarbeiter äußerte: "Auch mir tun solche Entscheidungen weh und ich verstehe, dass die Menschen sauer sind."
mik/AFP/AP