Deutsche Telekom Sommer kürzt die Dividende
Frankfurt am Main - Die Ankündigungen kam am Montagabend nach Börsenschluss: Telekom-Aktionäre müssen fortan auf einen Teil der Dividende verzichten, die bisher als einer der Hauptgründe für die Beliebtheit der "Volksaktie" galt.
Die Kürzung ist Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets, mit dem das Unternehmen auf das Verbot des geplanten Kabelverkaufs durch das Bundeskartellamt sowie die kaum noch tolerable Verschuldung des Unternehmens reagiert. Die Wettbewerbshüter hatten im Februar die geplante Veräußerung von sechs Kabelregionen an das US-Unternehmen Liberty Media für rund 5,5 Milliarden Euro untersagt. Die Telekom wiederholte nun ihre Absicht, das Kabelnetz verkaufen zu wollen.
Dividende um mehr als 40 Prozent gekürzt
Wie das Unternehmen in einer Pflichtveröffentlichung weiter mitteilte, soll für das vergangene Jahr eine Dividende von 0,37 Euro je Aktie empfohlen werden nach 0,62 Euro im Jahr 2000. Vergangene Woche hatte der Bund, mit insgesamt rund 43 Prozent an der Telekom beteiligt, Forderungen zurückgewiesen, auf seine Dividende zu verzichten.
Ein Analyst in London sagte zu der Dividendenkürzung: "Es ist ein vernünftiger Schritt, auch wenn er einen schlechten Nachgeschmack hat, da der Konzern bis vor einigen Wochen noch eine andere Prognose gegeben hat." Er fügte hinzu: "Es ist jetzt klar, dass sie keinen magischen Hasen im Hut haben und dass sie wirklich hart von der Entscheidung des Kartellamts getroffen wurden."
Sommers Verlautbarungen haben ein geringe Halbwertzeit
Der Telekom-Vorstand beschloss nach eigenen Angaben ferner, die Mobilfunktochter T-Mobile nicht im ersten Halbjahr 2002 an die Börse zu bringen. Ein neuer Termin solle an die aktuelle Börsenlage flexibel angepasst werden. Telekom-Chef Ron Sommer hatte noch in der vergangenen Woche als Termin den Juni nicht ausgeschlossen und gesagt, er rechne mit einer Aufhellung des Börsenumfelds im Laufe dieses Jahres.
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Die Telekom kündigte weiter an, die Investitionen in Sachanlagen, die im Vorjahr bei 9,9 Milliarden Euro gelegen hätten, in diesem Jahr deutlich zu kürzen. Auch bekräftigte der Vorstand seine Absicht, sich verstärkt von nicht-strategischen Beteiligungen trennen zu wollen. Das Führungsgremium halte ferner weiterhin an seinen Wachstums- und Ergebnisprognosen fest.
Schulden werden nicht wie geplant abgebaut
Der Konzern verschob zugleich seinen Termin für den geplanten Schuldenabbau um ein Jahr. Demzufolge soll das Ziel, die Verbindlichkeiten auf 50 Milliarden Euro von 62 Milliarden zum Jahresende 2001 zu reduzieren, nun erst bis Ende 2003 erreicht werden. In der vergangenen Woche hatte Konzern-Chef Sommer noch bekräftigt, dass diese Vorgabe wie geplant bis Ende dieses Jahres erfüllt werden solle.
Der Telekom droht nun eine Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit durch die Ratingagenturen, was nach Analysteneinschätzung einen erhöhten Zinsaufwand von 80 bis 120 Millionen Euro im Jahr nach sich ziehen würde.
Der Konzern hatte im abgelaufenen Geschäftsjahr trotz Erträgen aus Beteiligungsverkäufen mit einem Verlust von 3,5 Milliarden Euro das schlechteste Ergebnis seit seinem Börsengang 1996 verbucht. Im Jahr hatte das Unternehmen noch einen Konzernüberschuss von 5,9 Milliarden Euro ausgewiesen.