Deutsche Telekom Tarifparteien drohen mit weiterer Eskalation
Hamburg/Berlin - Für den Fall, dass Obermann seine Drohung wahr macht, kündigte Ver.di hinter den Kulissen eine massive Ausweitung des Arbeitskampfes an. "Das kann passieren, wenn das Management den Paragrafen für Betriebsübergänge missbraucht", zitierte die "Financial Times Deutschland" Ver.di-Kreise. Hintergrund seien Äußerungen von Telekom-Vorstandschef René Obermann: Dieser habe vor einigen Tagen gedroht, das Unternehmen könne Callcenter-Mitarbeiter aus der Festnetzsparte T-Com zur Mobilfunktochter T-Mobile verschieben, falls keine Einigung mit Ver.di zustande komme.
Für Obermann sei eine teilweise Verlagerung der T-Com-Mitarbeiter zu T-Mobile interessant, weil das Gehaltsniveau bei der Handytochter teilweise noch unter dem liege, das für die T-Service-Mitarbeiter bezahlt werde, schreibt die Zeitung weiter. Während ein Berufseinsteiger in einem Callcenter der T-Com rund 34.000 Euro erhalte, seien es bei T-Mobile lediglich 20.000 Euro. Zudem müsste die Telekom bei einer Verschmelzung von T-Com-Teilen auf T-Mobile keine bei Betriebsübergängen normalerweise übliche einjährige Übergangsfrist einhalten, da die Handytochter bereits einen gültigen Ver.di-Tarifvertrag besitze.
Ver.di drohe jedoch damit, auf einen derartigen Schritt mit einer Kündigung des Tarifvertrags bei T-Mobile zu antworten. Dann wäre die Friedenspflicht aufgehoben und Ver.di könne den Streik auch auf T-Mobile ausweiten. Bislang dürften nur die 50.000 Beschäftigten streiken, die von T-Com zu T-Service wechseln sollen.
Unterdessen warnte der stellvertretende Vorstandschef Karl-Gerhard Eick die Gewerkschaft vor einem Streik: "Mit einem Streik lassen sich keine Probleme lösen und auch keine Arbeitsplätze sichern", sagte Eick der "Berliner Zeitung". Er betonte, dass die Telekom ein gutes Angebot gemacht habe, mit dem 50.000 Arbeitsplätze gesichert werden könnten. Dabei habe sich das Unternehmen schon sehr weit bewegt.
Er forderte von Ver.di Entgegenkommen: "Der Ball liegt nun im Feld von Ver.di." Die Gewerkschaft gibt heute Mittag das Ergebnis der dreitägigen Urabstimmung bekannt.
Es gilt als sicher, dass die für einen Streik notwendige Hürde von 75 Prozent der Stimmberechtigten übersprungen wird. Damit könnten bereits am Freitag erste Arbeitskampfaktionen auf die Telekom zukommen.
Die Telekom selbst stellt heute die Erstquartalszahlen vor und wird dabei voraussichtlich weitere Kundenverluste im Festnetz vermelden. Laut Zeitungsberichten soll sich mit 600.000 Kündigungen zwischen Januar und März der Verlust an normalen Telefonleitungen noch beschleunigt haben.
mik/dpa-AFX/ddp/Reuters