Deutsche Telekom VoiceStream-Deal auf der Kippe
Bonn - Mit erneuten Wertverlusten der Aktie sank auch die für die Gewichtsverteilung im Dax maßgebliche Marktkapitalisierung, also der Börsenwert des Konzerns. An der Spitze der 30 Dax-Werte steht nunmehr der Versicherungskonzern Allianz mit gut zehn Prozent, mit dem Münchner Siemens-Konzern muss die Telekom um Platz zwei ringen. Die T-Aktie fiel zeitweise bis auf 27,50 Euro - ein neues Jahrestief. Vor weniger als einem Jahr war das Papier noch mehr als 100 Euro wert gewesen.
Bleibt die T-Aktie weiter so schwach, können die VoiceStream-Aktionäre das Kaufangebot der Telekom neu verhandeln. Das wäre möglich, wenn der Kurs der Telekom-Aktie an sieben Handelstagen innerhalb von 15 Tagen vor Vertragsschluss unter der 30-Euro-Schwelle bleibt. Der Abschluss des VoiceStream-Kaufes ist allerdings laut Telekom frühestens für den 31. Mai terminiert. Es seien also noch drei Monate Zeit.
Ralph Bressler ist nicht mehr so zuversichtlich. "Wir waren bisher immer davon ausgegangen, dass mit den Pflegemaßnahmen der Konsortialbanken der Kurs gehalten werden kann", sagt der Analyst vom Bankhaus Lampe. "Jetzt befürchten wir, dass nachverhandelt werden muss." Der Deal mit VoiceStream werde jedoch nicht platzen: "Das kann sich die Telekom gar nicht leisten."
Die T-Aktie werde sich im kommenden Jahr in die Liste der 50 schlechtesten Werte einreihen, schätzt Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Allerdings sei Panik nicht angebracht. Die Telekom sei weiterhin ein deutsches Vorzeigeunternehmen, müsse aber ihre Übernahme in den Vereinigten Staaten durchziehen und das operative Ergebnis steigern.
Die unternehmerischen Fähigkeiten von Telekom-Chef Ron Sommer könnten dabei durchaus angezweifelt werden: "Die Kostensituation hat die Telekom nicht so im Griff wie prognostiziert". Jetzt müsse der Bonner Konzern seine Pläne zur Internationalisierung endlich einhalten. "Die Telekom ist international überhaupt nicht aufgestellt. Sie sei ein Local Hero und kein Global Player."