Deutsche Telekom Voicestream wird noch viel Geld kosten
Bonn - Bevor die Dollars so richtig sprudeln, steht Telekom-Chef Ron Sommer in den USA eine längere Durststrecke bevor. Denn die erst sieben Jahre alte VoiceStream fährt noch hohe Anlaufverluste ein, die auch die Bilanzen der Telekom belasten werden. Im Jahr 2000 lagen die Nettoverluste, bedingt vor allem durch Zukäufe kleinerer Wettbewerber (Omnitel, Aerial), bei gut zwei Milliarden Dollar. Das war sogar mehr als der gesamte Umsatz des Unternehmens.
Wie teuer das Startgeld in den USA ausfällt, ist derzeit noch nicht sicher. Als Sommer den Zukauf im Juli 2000 ankündigte, lag der Kaufpreis (3,2 T-Aktien für ein VoiceStream-Papier, plus 30 US-Dollar in bar) umgerechnet bei mehr als 100 Milliarden Mark. Inzwischen sind die T-Aktien mit knapp 30 Euro aber deutlich weniger wert. Das bedeutet, der Kaufpreis für VoiceStream ist auf rund 75 Milliarden Mark geschrumpft.
Analysten halten den Erwerb für einen strategisch richtigen Schritt. Allerdings könnte nach Abschluss der Übernahme, die Ende Mai erwartet wird, der Verkaufsdruck auf die T-Aktie steigen, meint Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Schließlich erhalten die VoiceStream- und Powertel-Aktionäre knapp eine Milliarde neue T-Aktien. Von diesen Papieren könnten sich manche Kleinaktionäre vorzeitig trennen. Außerdem sind viele Fonds bei Voicestream engagiert, die auf Papiere von US-Unternehmen spezialisiert sind und nun umschichten werden.
"Das ist ein ernsthaftes Problem", räumt auch Sommer ein. Aber mehr als 100 bis 150 Millionen Papiere sollten es nicht sein. Bis zu einem nachhaltigen Aufschwung müssen sich die gebeutelten T-Aktionäre also noch in Geduld üben. Die T-Aktie sei zwar drastisch unterbewertet, meint Analyst Rothauge; ein Anstieg von mehr als 15 Prozent sei wegen des VoiceStream-Kaufs kurzfristig aber nicht drin.
Trotzdem verschafft die Entscheidung der FCC dem in den letzten Wochen stark in die Kritik geratenen Telekom-Chef wieder ein wenig Luft. Denn der amerikanische Mobilfunker bietet auch einige positive Perspektiven: Zum einen ist damit der Einstieg der Telekom in einen der weltweit größten und attraktivsten Märkte so gut wie perfekt, zum anderen kommt Sommer seinem Ziel näher, die Telekom zu einem internationalen Branchenriesen zu machen.
In den USA wird in der Mobiltelefonie in den kommenden Jahren ein wesentlich höheres Wachstumstempo erwartet als in der Alten Welt. Erst jeder dritte US-Bürger besitzt derzeit ein Handy. Bis Ende 2003 werden es nach einer Marktprognose acht von zehn US-Bürgern sein. Mittelfristig seien 100 Prozent vorstellbar. Damit könnten in den USA mehr Neukunden gewonnen werden als in Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien zusammengenommen, rechnen die Bonner vor.
Der neue Brückenkopf in den USA soll aber auch für die Europäischen Telekom-Kunden handfeste Vorteile bieten: Sie werden mit ihrem Handy problemlos von San Francisco bis Frankfurt telefonieren können. Denn in den USA setzt die Telekom auf den in Europa bewährten Mobilfunkstandard GSM. VoiceStream verfüge derzeit als einziger US-Anbieter über ein nahezu flächendeckendes GSM-Netz, sagt Sommer - "Ein Vorteil, der gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann".