Deutsche Unternehmer: Angst lähmt Gründergeist - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Deutsche Unternehmer Angst lähmt Gründergeist

Die Wirtschaftslage ist mies, die Konsumenten dementsprechend knauserig. So wundert es nicht, dass die Deutschen vergleichsweise selten eigene Unternehmen aufziehen. Der wenig ausgeprägte Gründergeist hat aber noch einen tieferen Grund: Angst.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Berlin - Vor allem die Angst vor dem Scheitern lähmt die Deutschen, fanden Forscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) heraus. Fast jeder Zweite lasse sich hierzulande von dieser Furcht leiten und verzichte deshalb lieber darauf, ein eigenes Unternehmen aufzuziehen. In den USA fühle sich dagegen nur jeder Fünfte durch diese Aussicht gehemmt, heißt es in einer Studie des Instituts.

Nur 31 Prozent der Deutschen glauben dagegen, sie hätten das Zeug zum Firmengründer. International gesehen liegen sie damit gerade mal im Mittelfeld. In den USA glauben immerhin 55 Prozent, dass sie die nötigen Fähigkeiten hätten, um ein Unternehmen auf die Beine zu stellen, genau wie in Ungarn oder Argentinien. In Schweden vertrauen nur 24 Prozent so sehr auf ihre unternehmerischen Qualitäten, in Japan sogar nur elf Prozent.

Die großen Unterschiede bei der Wahrnehmung seien wohl nur zum Teil durch ökonomische Rahmenbedingungen wie Bürokratie, Wachstum oder soziale Sicherungssysteme begründet, erklären die DIW-Forscher. "Wären die Deutschen genauso optimistisch, selbstbewusst und risikofreudig wie die Amerikaner, würden in Deutschland anteilig sogar mehr Menschen ein Unternehmen gründen als in den USA." Derzeit wagten in Deutschland jedoch nur vier Prozent der Erwerbsfähigen diesen Schritt, in den USA sind es dagegen sieben Prozent.

Deshalb reiche es nicht aus, in Deutschland die ökonomischen Rahmenbedingungen zu verändern und in der Schule mehr unternehmerisches Wissen zu vermitteln, schlussfolgern die DIWler. Auch an der Risikobereitschaft der Deutschen müsse gearbeitet werden. Wie das gemacht werden soll, lässt die Studie allerdings offen.