Deutsches Image: Comeback des Superstars - DER SPIEGEL
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Deutsches Image Comeback des Superstars

Die Deutschen diskutieren noch, wie robust der Aufschwung wirklich ist. Aber im Ausland blickt man längst sehr viel wohlwollender auf den Standort Deutschland. In der US-Presse werden wir als wiedererstarkter Superstar gefeiert. Ausländische Investoren planen Großinvestitionen.
Von Hasnain Kazim, Anne Seith und Karsten Stumm
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Wenn Gianluca Giardina, Fondsmanager des German Growth Trust von Baring, nach Deutschland gefragt wird, gerät er geradezu ins Schwärmen. Er habe selbst in den letzten Monaten viele deutsche Unternehmen besucht, die Stimmung sei immer ebenso gut gewesen wie die Geschäftsaussichten, erklärt er dann. Selbst in der einstigen Krisenbranche, dem Bau, gehe es voran und auf den Arbeitsmarkt sei erstmals ordentlich Bewegung gekommen. "Zusammen mit der starken Binnenkonjunktur ist deshalb eines klar: Die gute Konjunktur wird nicht einfach wegkippen. Ganz im Gegenteil, auch in 2007 werden in der Bundesrepublik Gewinne zu holen sein", so sein überschwängliches Fazit.

Während die Deutschen noch grübeln, ob der Aufschwung auch nachhaltig ist, wird im Ausland schon das Wiedererstarken des einstigen Wirtschaftsstars gefeiert. Das "Wall Street Europe" erklärte die Bundesrepublik in einer Titelgeschichte diese Woche zum entscheidenden Impulsgeber der gesamteuropäischen Wirtschaft.

Ausländische Investoren bringen sich schon seit einiger Zeit in Stellung, um auf dem zukunftsträchtigen Markt rechtzeitig Fuß zu fassen. Finanzinvestoren kaufen Pharmafirmen, Teile der Telekom oder auch riesige Häuserbestände, russische Firmen schielen nach deutschen Stadtwerken. Nach einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young unter 1000 Managern ist Deutschland als Investitionsstandort für die kommenden drei Jahre so attraktiv wie kein anderes Land. Hightech-Firmen würden in Europa wohl künftig vor allem in der Bundesrepublik entstehen. Auch bei Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen werde Deutschland wohl am besten dastehen.

Im Immobiliensektor stürzten sich ausländische Unternehmer schon seit geraumer Zeit praktisch auf alles, was zu haben ist, erklärt Holger Schmieding, Chefsvolkswirt Europa bei der Bank of America in London. "Sie halten deutsche Immobilien für komplett unterbewertet", erklärt der Ökonom. Derzeit seien Büro- und Wohnhäuser aus internationaler Sicht spottbillig, "während in Deutschland die Preise über Jahre stabil blieben, sind sie anderswo ja um 60 oder 80 Prozent in die Höhe geschossen." Mit der immer stärker anziehenden Konjunktur steige aber auch der Wert der Immobilienbestände, so das Kalkül vieler Investoren. "Ich sehe da ein bisschen zu viel Begeisterung", fügt Schmieding hinzu. Aber ausländische Investoren seien eben derzeit "euphorisch", wenn es um Deutschland geht.

"Aus eigener Kraft attraktiver gemacht"

Ganz so weit will Dierk Müller, Geschäftsführer der American Chamber of Commerce in Germany, nicht gehen. In den USA "freut man sich" über den Aufschwung, erklärt aber auch er. US-Unternehmer hätten schon immer stärker an Deutschland als Investitionsstandort geglaubt als die Deutschen.

"Es gibt gute Gründe für die Begeisterung", sagt Bank-Volkswirt Schmieding. Denn während in Deutschland das Wort "Reform" gerne mit dem Zusatz "Stau" versehen wird, sähe man im Ausland eher die Fortschritte. "Deutschland hat sich aus Sicht nichtdeutscher Investoren aus eigener Kraft attraktiver gemacht", sagt Schmieding. Am stärksten habe ausländische Investoren die jahrelange Lohnzurückhaltung der Arbeitnehmer beeindruckt - einer Umfrage des Statistischen Bundesamts zufolge sind die Kosten pro Arbeitsstunde in den vergangenen sechs Jahren nur um 9,8 Prozent gestiegen. Der EU-Durchschnitt lag bei 22 Prozent.

Natürlich sind auch ausländische Investoren nicht blind für die Probleme in Deutschland: Die Wunschliste von Chamber-Geschäftsführer Müller etwa - dem Chef-Lobbyist amerikanischer Unternehmer in Deutschland - ist lang. "Im Gesundheitssektor und auf dem Arbeitsmarkt vermissen US-Investoren Reformen, die auch wirken", sagt er.

"Die Details sind erst einmal nicht so wichtig"

Die starren Strukturen auf dem Jobmarkt wirken gerade auf US-Amerikaner offensichtlich immer noch abschreckend. Wirtschaftsnobelpreisträger Edmund Phelbs erklärte in einem Interview in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gar, er wundere sich, warum überhaupt noch jemand in Deutschland investiert: "Die Mitbestimmung, der Kündigungsschutz - all das ist schädlich", sagte er und forderte eine Radikalreform des gesamten Wirtschaftssystems.

Doch trotz aller Kritik - selbst auf dem für seine starren Strukturen geradezu legendären deutschen Arbeitsmarkt hätten sich in den vergangenen Jahren neue Perspektiven aufgetan, hält Schmieding dagegen. Und diese neuen Chancen seien schließlich für viele Unternehmer entscheidend. "Vor allem der Boom der Zeitarbeit, bei der die strengen Kündigungsregeln nicht gelten, bietet neue Möglichkeiten", erklärt Schmieding. Die anstehende Unternehmensteuerreform werde positive Signale aussenden, glaubt er außerdem - so umstritten sie im Inland ist. "Ein Steuersatz unter 30 Prozent - das ist einfach ein Zeichen", sagt Schmieding. "Die Details sind erstmal nicht so wichtig."