Deutschland in der Krise: "Wir brauchen den Export" - DER SPIEGEL
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Deutschland in der Krise "Wir brauchen den Export"

Trotz der tiefen Wirtschaftskrise setzt er auf die Außenwirtschaft: Deutschland braucht kein neues Geschäftsmodell, sagt McKinsey-Chef Frank Mattern im Interview mit SPIEGEL ONLINE. Es müssten aber endlich die Chancen in der Umwelttechnologie genutzt werden.
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SPIEGEL ONLINE: Der Export leidet besonders stark unter der Krise. Bedeutet es einen Fehler, dass die Volkswirtschaft so sehr von Ausfuhren abhängig sind?

Mattern: Nein, die Exportorientierung der deutschen Industrie ist in Jahrzehnten gewachsen. Sie hat die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen geschärft. Auch wenn viele dieser Betriebe jetzt tief in der Krise stecken, ist der Export eine Stärke unserer Volkswirtschaft und wird es auch bleiben.

SPIEGEL ONLINE: Manche Exportfirmen haben die Hälfte ihrer Aufträge verloren, gerade die berühmten "Hidden Champions", die heimlichen Weltmarktführer, hat es schwer getroffen. Wie lange dauert es, bis sie wieder das alte Niveau erreichen werden?

Mattern: Zur Zeit wissen die Unternehmen noch nicht, wo sich der Boden befindet, wo das "New Normal" liegt, auf dem sich das Geschäft einpendelt. Danach könnte es eine kleinere Erholung geben. In den nächsten Jahren müssen wir uns aber auf niedrigere Wachstumsraten einstellen.

SPIEGEL ONLINE: Sollte Deutschland statt auf den Export mehr auf den Konsum setzen?

Mattern: Ich verstehe die Logik nicht ganz. Wir gehen ja nicht deshalb mehr einkaufen, weil irgendjemand beschließt, weniger Industrieroboter zu kaufen. Im Gegenteil: Wenn wir weniger Maschinen bauen, bedeutet das weniger Beschäftigung und Konsum. Wir brauchen den Export.

SPIEGEL ONLINE: Andere Länder wie Frankreich haben bewusst die Binnennachfrage gestärkt und stehen in der Krise besser da. Benötigt Deutschland ein neues Geschäftsmodell?

Mattern: Ich finde es gefährlich zu glauben, dass wir hier lenkend eingreifen sollten. Das deutsche Geschäftsmodell hat sich keiner ausgedacht, es ist das Ergebnis von Wettbewerb und Marktprozessen. Wir können uns nicht im Kanzleramt zusammensetzen und sagen: "Wir bauen das jetzt um".

SPIEGEL ONLINE: Und wie kommt die Exportwirtschaft wieder aus der Krise?

Mattern: Es gibt für die deutsche Industrie zum Beispiel eine Riesenchance rund um das Thema "Cleantech". In der Umwelttechnologie sind wir sehr gut positioniert, ein großer weltweiter Bedarf besteht auch in Sachen Energieeffizienz: Das ist ein echter Wettbewerbsfaktor geworden.

Das Interview führte Alexander Jung