Deutschland Niedrigstes Wachstum seit 1993
Wiesbaden - Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) habe 2001 nach vorläufigen Berechnungen im Schnitt nur noch 0,6 Prozent zugelegt, teilte das Statistische Bundesamt Amt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Im vorangegangenen Jahr hatte das Wachstum noch drei Prozent betragen.
Die privaten und staatlichen Konsumausgaben hätten 2001 positiv zum Wirtschaftswachstum beigetragen, aber nicht die Rückgänge bei den Investitionen ausgleichen können, erläuterte der Präsident des statistischen Amtes, Johann Hahlen, die Daten.
BIP könnte weiter nach unten revidiert werden
Nach Einschätzung des Bundesfinanzministeriums wird die Konjunktur in Deutschland bei einer Erholung der Weltwirtschaft bald anziehen. Die meisten Analysten sind nicht ganz so optimistisch. Den Volkswirten der Banken zufolge deuten die Zahlen darauf hin, dass das bisher noch nicht in den Berechnungen enthaltene vierte Quartal 2001 schwächer ausgefallen ist als bislang prognostiziert. "Die Zahl bedeutet, dass das vierte Quartal noch negativer ausfallen dürfte als von uns erwartet", sagte Michael Holstein von der DZ Bank. Sein Haus sei bisher von einem Minus in Höhe von 0,3 Prozent ausgegangen. "Wenn die Vorquartale nicht entsprechend revidiert werden, ist nun mit minus 0,4 Prozent zu rechnen."
Wolfgang Strohm, der Leiter der Abteilung Volkswirtschaft beim Bundesamt, sagte, nach den zwei vorausgegangenen Quartalen sei auch im vierten Jahresabschnitt mit einer "roten Null" zu rechnen.
Erholung nicht vor dem dritten Quartal
Die meisten Analysten rechnen erst in der zweiten Jahreshälfte mit einer konjunkturellen Erholung. Obwohl auch Jörg Krämer von Invesco Asset Management einen BIP-Anstieg im zweiten Halbjahr erwartet, ist er für das Gesamtjahr pessimistisch. "Für 2002 werden wir wohl nur ein Wachstum von 0,1 Prozent sehen."
Ende 2000 hatten die Wachstumsprognosen von Forschungsinstituten und Bundesregierung für 2001 deutlich über zwei Prozent gelegen. Im Jahresverlauf hatten jedoch die Institute ebenso wie die Regierung ihre Schätzungen mehrfach nach unten revidiert.