Deutschlandfonds Sparen unter Zwang
Hamburg - Die Grundidee des Deutschlandfonds ist einfach: Alle Arbeitnehmer sollen an allen Unternehmen in Deutschland beteiligt werden. Das ist zumindest die Vorstellung der SPD, und auch die CDU sieht das Konzept mittlerweile nicht mehr ganz so skeptisch.
In einem SPD-Arbeitspapier heißt es, dass Deutschlands Arbeitnehmer stärker am produktiven Kapital beteiligt werden sollen. Genauer: an deutschen Unternehmen aus Dax und Co. Das begrüßt auch Andreas Fink, Sprecher des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI). "Der Nutzen einer Beteiligung breiter Arbeitnehmerschichten am Produktivvermögen ist unumstritten."
Und weiter: "Die Bildung von Produktivvermögen macht von den Arbeitseinkommen unabhängiger und erschließt zusätzliche Einkommensquellen, die der finanziellen Absicherung bei Arbeitslosigkeit oder der Altersvorsorge dienen können."
So weit, so einleuchtend. Doch Kritiker vermuten hinter der schönen Fassade Schlimmes: "Das ist politische Kommunikation", sagt Hasso Mansfeld, Kommunikationsberater vieler Finanzunternehmen. "Wenn Sie so wollen, reine Rhetorik. Hier kann man den Bürgern suggerieren, dass man etwas Gutes, Sinnvolles und Vernünftiges in die Wege leiten würde. Der Deutschlandfonds ist da geradezu ein Paradebeispiel. Es wird mit Argumenten agiert, denen man nicht ohne Weiteres widersprechen kann."
Gegner des Vorhabens hätten es da erheblich schwerer: "Sie müssen differenziert und detailliert argumentieren, warum es im Einzelnen nicht funktionieren kann. Das aber können sie in der erforderliche Länge nur im Finanzteil abhandeln, weniger im Politikteil. Ein großer Vorteil für die Fraktion der Vereinfacher, beim Wähler gibt das Punkte."
Viel mehr als einfache Thesen hat die Politik allerdings auch tatsächlich noch nicht zu bieten: Die Details stehen keineswegs fest. Wann soll es losgehen, wer gibt den Helden? - eigentlich ist noch nichts wirklich geregelt. Die Experten erblicken darin sogar einen Schimmer Hoffnung: Vielleicht merken die Politiker ja im Zuge der Diskussion über die Ausgestaltung des Fonds, auf welch glattes Parkett sie sich bewegen.
- Rutschgefahr Nummer eins: Die Streuung.
SPD-Chef Kurt Beck spricht davon, dass der Fonds in tausend deutsche Unternehmen investieren werde und sich damit gegen einzelne Insolvenzen absichere. Das klingt zunächst überzeugend - doch wie stark unterscheiden sich die Unternehmen eigentlich voneinander? Oder anders gefragt: Wenn die deutsche Konjunktur leidet, welches Unternehmen kann sich davon freimachen? Eigentlich kaum eines - ein Grund dafür, weshalb Finanzexperten herkömmliche Länderfonds nur vorsichtig in ein Portfolio einbauen.
Bei der Mischung dürfte es auch an anderer Stelle Probleme geben. Denn nicht nur in Aktiengesellschaften soll investiert werden, sondern auch in Unternehmen, die gar nicht an der Börse notiert sind. Private Equity oder Mezzanine, so stellt man sich das in Berlin vor. Diese verschiedenen Assetklassen in einem Fonds zu verwalten, kommt einem Hedgefonds schon recht nahe. Und auch bei denen klappt die richtige Mischung nicht immer.
- Rutschgefahr Nummer zwei: Die Kosten.
Darüber ist bislang wenig zu hören. Dabei geht es noch nicht einmal um die steuerliche Förderung, die im Gespräch ist, sondern um die Verwaltungsgebühr. Günstig soll es sein, hört man. Damit geht die Frage einher, wer dieses Monstrum lenken soll. Beck dachte laut darüber nach, eine Ausschreibung zu starten.
Man kann sich vorstellen, dass die deutsche Fondsbranche - prädestiniert für die Verwaltung des Fonds - hellhörig wurde. Nehmen wir an, nur zehn Millionen deutsche Arbeitnehmer würde im Monat nur zehn Euro in diesen Fonds einzahlen. Im Jahr wären das 1,2 Milliarden Euro. Und nehmen wir weiter an, die Verwalter würden pro Jahr nur ein Prozent der verwalteten Gelder als Verwaltungsgebühr für sich einbehalten - in der Summe würde das rund zwölf Millionen Euro ergeben. Ein lohnendes Geschäft.
- Rutschgefahr Nummer drei: Die Bewertung der Anteilsteile.
Wie kann der Arbeitnehmer wissen, ob sein winziger Teil Deutschlands derzeit lukrativ ist oder nicht? Bei jenem Anteil, der mit Aktien bestückt wird, ist das kein Problem. Der Börsenkurs ist der Preis. Aber was ist bei klassischen deutschen Mittelständlern, die nicht an der Börse notiert sind? Die Bewertung ist eine Aufgabe für Spezialisten - und deren Wirken dürfte die Kosten nach oben treiben.
Vor dem Start des Deutschlandfonds - wenn er denn kommt - müsste also noch einiges geklärt werden. "Das ist eine freiwillige Regelung, kein Zwang", erklärt vorsorglich Olaf Scholz (SPD), der der entsprechenden Arbeitsgruppe vorsteht. "Auch soll es für die Höhe des Anlagebetrags keine Vorgaben geben. Das soll jeder machen, wie er es für richtig hält. Ohnehin soll der Deutschlandfonds bestehende Systeme nicht ersetzen, sondern ergänzen."
Experten sehen die Berliner Pläne dennoch skeptisch. Fink vom BVI kündigt jedenfalls schon mal an, ein verbandseigenes Modell vorzustellen.
"Der Staat will einen Arbeitnehmer-Investmentfonds ins Leben rufen, der erstens Asset-Management betreibt, zweitens Mezzanine-Kapital zur Verfügung stellt und drittens auch noch als Private-Equity-Anbieter fungiert. Dieses Monstrum müsste konsequenterweise Bundesagentur für Asset Management, Mezzanine-Kapital und Private Equity - die BAMMKPE - heißen", sagt Mansfeld.
Bei den Arbeitnehmern, die es betrifft, hält sich die Begeisterung ebenfalls in Grenzen. In einem Internetforum schimpft ein Teilnehmer: "Die Arbeitnehmer sollen ihr sauer Erspartes den Unternehmern zur Verfügung stellen. Da können sich wieder ein paar Manager die Taschen vollstopfen."