Devisen-Intervention Eine Hand wäscht die andere
In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" konnten wir gestern einen interessanten Bericht zu den Euro-Stützungskäufen der Notenbanken vom letzten Freitag lesen. "Hedgefonds soll von Interventionen gewusst haben", titelte das Blatt und schrieb unter Berufung auf Frankfurter Kreise: Die Citibank, ein führender Devisenhändler, habe bereits vor den einsetzenden Interventionen davon gewusst und sich am Morgen im Auftrag eines US-Hedgefonds mit Euro eingedeckt.
Gegen 13 Uhr, als der Eurokurs auf Grund der Interventionen so richtig ins Laufen kam, soll die Citibank auf die Verkaufsseite gewechselt sein und so nicht nur den weiteren Anstieg des Euros verhindert, sondern zudem auch einen Riesengewinn eingefahren haben. Stellungnahmen von offizieller Seite sind hierzu natürlich wie üblich nicht zu erlangen, weshalb also jeder auf seine eigenen Spekulationen angewiesen ist. Spekulieren wir also: Ist so etwas denkbar?
Die "FAZ" berichtet von einer "undichten Stelle" in einer der beteiligten Notenbanken. So etwas ist natürlich immer möglich. Schaut man sich hierzu einmal den Neuen Markt in Deutschland an, bei dem der Betrug mittlerweile zur Normalität geworden ist, dann wäre es in der Tat verwunderlich, wenn die Big Player auf den Big Markets nicht auch derartige Spielchen spielten.
Natürlich bliebe es ein ganz besonders verwerfliches Stück, schließlich sind hier öffentliche Gelder, nämlich die der Notenbanken, privaten Akteuren in Form von Gewinnen zugeschanzt worden. Trotzdem möchte ich einmal eine andere Frage stellen, auf die man gemeinhin ebenfalls keine erschöpfende Antwort bekommt:
Wie funktioniert das überhaupt, wenn Notenbanken in Märkte eingreifen? Ich meine nicht nur in Devisenmärkte, sondern in Finanzmärkte allgemein, wie zum Beispiel nach einem Börsencrash. Hierzu liest man dann immer das, was auch der Chefredakteur von "Börse-Online", neulich in einer Kolumne im "Stern" geschrieben hat: Dann öffnen die Notenbanken die Geldschleuse. Wie soll das gehen? Die Börse ist schließlich kein Gewächshaus, in dem man bei zu großer Trockenheit einfach das Wasser anstellen muss. So stellt sich vielleicht der kleine Moritz oder der Chefredakteur einer Börsenzeitung die Welt vor. Doch so ist sie gewiss nicht.
Nein, um an den Märkten intervenieren zu können, müssen die Notenbanken sich der Marktakteure bedienen. Das heißt, sie haben ihre Banker-Gehilfen, denen sie dann nur noch zurufen: Haltet durch, wir garantieren den Kredit. Oder: Kauft, was das Zeug hält, Rechnung an uns.
Eine weitsichtige Notenbankpolitik ist nur möglich, wenn sie sich im Einzelfall der Marktakteure bedient. Denn eine Notenbank wird niemals direkt Aktien kaufen. Es geht also immer um ein Geben und Nehmen, um leben und leben lassen. Und wer weiß, vielleicht ist mit diesem Eurodeal nur eine alte Schuld beglichen worden?