Devisenexperten zur Zinserhöhung "Ein mutiger Schritt der EZB"
Frankfurt am Main - Die EZB hat auf ihrer Sitzung am Donnerstag die Leitzinsen um 50 Basispunkte angehoben. Der entscheidende Refinanzierungssatz steigt damit von 3,75 Prozent auf 4,25 Prozent. EZB-Präsident Wim Duisenberg sagte, angesichts des starken Wirtschaftswachstums habe sich die Inflationsgefahr erhöht. Für dieses Jahr erwarte er ein Wachstum von mindestens drei Prozent. Als weitere Ursache für das gestiegene Inflationsrisiko nannte der EZB-Präsident die wegen der gestiegenen Rohölkosten erhöhten Importpreise.
Analysten werteten die Entscheidung positiv. Die deutsche Wirtschaft könne eine Zinserhöhung um 50 Punkte durchaus vertragen, urteilten sie fast übereinstimmend. Ursprünglich hatten die Experten einen Anstieg um 25 Punkte erwartet.
Die deutsche Kreditwirtschaft bescheinigte der EZB eine beherzte Entscheidung. "Das war ein mutiger Schritt. Ich habe der EZB die Erhöhung um 50 Basispunkte zugetraut", sagte der Chefvolkswirt der DG Bank, Michael Heise. Die Zinserhöhung schade der Konjunktur nicht und sei auf Grund der Risiken für die Preisstabilität gerechtfertigt. Auch sein Kollege Professor Norbert Walter von der Deutschen Bank sieht die Anhebung in diesem Ausmaß als richtig an.
Die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft kritisierte die Entscheidung dagegen: "Mit der nunmehr vierten Erhöhung der Leitzinsen in diesem Jahr nimmt die EZB eine erhebliche Dämpfung des wirtschaftlichen Aufschwungs und eine klare Beeinträchtigung der Beschäftigungsperspektiven in Kauf."
Unmittelbar nach Bekanntgabe der Entscheidung stürzten die Aktienkurse an der Frankfurter Börse steil nach unten. Nach einer kurzen Erholung fiel der Dax deutlich unter Vortagesniveau. Im Gegenzug stieg der Kurs des Euro kräftig an, verlor nach Eröffnung der Wall Street aber wieder und lag am späteren Nachmittag nur noch bei rund 0,953 US-Dollar.
Auf der vorangegangenen Sitzung am 25. Mai hatte die EZB noch die Leitzinsen unverändert belassen. Zuletzt hatten die europäischen Währungshüter am 27. April die europäischen Leitzinsen um 25 Basispunkte angehoben.