HOLLYWOOD Dicker als Blut
Er drehte die aufwendigsten Filme Hollywoods: Das Invasions-Epos »Der längste Tag«, die Heldenlegende von Amerikas berühmtestem Panzergeneral »Patton« und das Drama von der US-Niederlage in Pearl Harbor »Tora! Tora! Tora!«.
In der vergangenen Woche wurde Darryl F. Zanuck, 68, Chef der Hollywood-Firma 20th Century-Fox, selbst Opfer eines Dramas. Nach einem erbitterten Machtkampf um die Führung in Amerikas größter Filmgesellschaft (739 Millionen Mark Jahresumsatz) trat »der alte Tycoon unter Hollywoods Filmemachern« (so der Londoner »Guardian") ab.
Der Kampf um die Direktionsetage hatte sich an der leeren Firmenkasse entzündet. Allein in den letzten beiden Jahren machte die Fox, einst finanzstarkes Unternehmen der US-Filmbranche, über 400 Millionen Mark Verlust.
Der Wallstreet-Makler Charles M. Lewis und der New Yorker Rechtsanwalt Louis H. Powell führten die Fronde gegen das Fox-Management an. In ganzseitigen Anzeigen in der »New York limes« forderten sie den Rücktritt des Film-Pioniers. Darüber hinaus empfahlen sie in Rundschreiben an die Fox-Aktionäre ein neues Direktorium: Lewis und Powell.
Darryl Zanuck schlug zurück: »Das Powell-Lewis-Komitee«, schmähte er seine Gegner -- ebenfalls in ganzseitigen Anzeigen der »New York limes« -, »besteht aus Opportunisten.« Mit ihren neuesten Filmen werde die Gesellschaft »wieder Gewinne machen«. Schon 1970 hatte Zanuck seinen Aktionären »eine dramatische Rückkehr in die Gewinnzone« verheißen.
Als die Wende ausblieb, verklagten die Opponenten den Film-Boß vor einem New Yorker Gericht, er habe »den Aktionären irreführende Angaben über Umsatz und Gewinnerwartungen« gemacht. Aus Angst, die Sitzungen seines Direktoriums würden von Lewis-Agenten abgehört, konferierte Zanuck mit seinen Managern nur noch bei lauter Radiomusik.
»Die Kampfaktionen kosteten beide Seiten«, so schätzt die Londoner »Finanelalimes«, »rund 500 000 Dollar.« Für das Ziel, die Fox-Aktionäre zu beruhigen, schien Zanuck der Preis nicht zu hoch. Seit 1969 war die Fox-Aktie von 41,75 auf 13 Dollar gefallen.
Die Misere war Folge eines falschen Konzepts. Zu spät hatte Zanuck erkannt, daß zeitgemäße und anspruchsvolle Filme vor allem die Jugendlichen -- heute die Hauptkinogänger -- mehr ansprechen als teure Leinwandschinken. So spielten etwa die aufwendigen Filmspektakel »Doctor Dolittle«, »Star« und »Hello, Dolly«, die zusammen rund 300 Millionen Mark kosteten, nur die Hälfte des Aufwandes ein.
Ein vergleichsweise billiger Fox-Film wie die Lazarett-Komödie »M.A.S.H.« (Herstellungskosten: zehn Millionen Mark) brachte dagegen schon im ersten Jahr 80 Millionen Mark -- ein Mehrfaches der Aufwendungen -- ein.
Zu dem verfehlten Konzept kamen Querelen im Management. 1969 hatte Zanuck seinen Sohn Richard zum Generaldirektor gemacht. Doch als die Fox immer tiefer in die roten Zahlen rutschte, stempelte Vater Darryl Sohn Richard zum Sündenbock und feuerte ihn. »Rote Tinte«, so witzelten Fox-Manager im Dezember 1970, »ist eben doch dicker als Blut.«
Zanuck Junior schloß sich mit Mutter Virginia prompt den Fox-Opponenten um Charles M. Lewis an. Mehrere Aktionäre, unter ihnen Norman E. Alexander, Chef der Sun Chemical Corporation, schwenkten ins Lager der Darryl-Zanuck -Gegner über.
Da griff der alternde Film-Boß zu seinem letzten Trick. Er trat am vergangenen Montag -- einen Tag vor der entscheidenden Hauptversammlung -- freiwillig zurück. Zanucks Hoffnung: Fox-Aktionäre, die ihn aus seiner Glanzzeit kennen, würden nun seinen Gegnern eine Abfuhr erteilen und ihn selbst in den Aufsichtsrat zurückbitten. Opponent Alexander: »Er spekuliert auf die Tränendrüsen der alten Damen.«
Ob Zanucks Rechnung aufgeht, war bis Ende letzter Woche ungewiß. Die Auszählung der 8,5 Millionen Aktionärs-Stimmen dauert bis zum 8. Juni.