Die 100 reichsten Deutschen: Gespür für "Leichen im Keller" - DER SPIEGEL
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Die 100 reichsten Deutschen Gespür für "Leichen im Keller"

Der Sohn von GEA-Gründer Otto Happel zog es Zeit seines Lebens vor, aus dem Hintergrund zu agieren. Er trat nur in Erscheinung, wenn er musste. Doch dann kam der Disput mit Kajo Neukirchen. Seitdem steht Happel junior im Rampenlicht und im Ranking von manager magazin auf Rang 49.
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Hamburg - Die GEA war ein Familienbetrieb wie er im Buche steht - von der Familie betrieben durch und durch. Zunächst gründete und leitete Otto Happel senior das Unternehmen, als er verstarb, übernahm seine Frau Elisabeth Happel die Führung, und nach ihrem plötzlichen Tod stand 1974 der gemeinsame Sohn Otto Happel junior an der Spitze. Letzterer führte die GEA - die "Gesellschaft für Entstaubungsanlagen" - auf den Höhepunkt ihres Erfolgs und übergab sie dann Ende der neunziger Jahre als schwerreicher Mann der Metallgesellschaft.

Zu dem Zeitpunkt war die GEA ein Weltkonzern und das mit Abstand profitabelste Unternehmen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus, bekannt für seine Flexibilität und seine intelligenten Produkte. Die Intelligenz kam nicht von ungefähr. Bereits Anfang der neunziger Jahre hatte Otto Happel junior jeden vierten Arbeitsplatz seines Unternehmens mit einem Ingenieur besetzt - ein Spitzenwert in der Branche.

Als Otto Happel junior das Erbe seiner Eltern antrat, erkannte er bald, dass sich die Erfindungen seines Vaters in der thermischen Verfahrenstechnik für den Einstieg in allerlei artverwandte Gebiete nutzen ließen, etwa Kältetechnik, Wärmepumpen oder dezentrale Luftheizungen - Gebiete, auf denen GEA großen Konkurrenten wie der Obernhausener Babcock oder der Frankfurter Lurgi zuvorkam.

Nachdem der studierte Wärmetechniker und scheue Happel das Stammgeschäft durch Gesellschaften in den USA, Brasilien, Südafrika, Frankreich und der Schweiz weiter abgesichert hatte, begann er 1979 seine große Einkaufstour. GEA kaufte mit Vorliebe kleine Familienbetriebe "mit einer Leiche im Keller", die Nachfolgeprobleme hatten, oder etwa unter Überschuldung, schwachem Marketing oder schlechtem Vertrieb litten.

Für GEA war es einfach, diese Mängel in kurzer Zeit zu beseitigen und den Profit durch Personalabbau, zentralen Einkauf, weltweiten Vertrieb oder billige Bankkredite wettzumachen. Die Medien nannten Happel einen der erfolgreichsten und unbekanntesten Unternehmer Deutschlands. Bei der Börseneinführung im Dezember 1989 lenkte er 775 Millionen Mark in seine eigene Tasche.

Anfang 1999 verkaufte Happel, der die Mehrheit der GEA-Stammaktien hielt, seine Anteile an die MG Technologies, bei der er seitdem Großaktionär ist. Womöglich war dies sein erster unternehmerischer Schritt, den er rückblickend bereut hat. Seit der Übergabe liegt er im Clinch mit MG-Chef Kajo Neukirchen.

Gegenseitig werfen sich die Top-Manager Bilanztrickserei und private Bereicherung vor. Vorbei sind die Zeiten, in denen der öffentlichkeitsscheue Happel quasi aus dem Off seine Geschäfte führte. Bei der jüngsten Hauptversammlung Ende März warteten die Aktionäre gespannt auf den Schlagabtausch Neukirchens und Happels - zu dem es dann nicht kam, weil Happel sich vertreten ließ. Happel wollte Neukirchen stürzen und scheiterte. Nun warten alle auf den nächsten Akt.

Katy Hillmann