GLOBALISIERUNG Die Hightech-Offensive
Auch Riesen haben mal klein angefangen. Vor einigen Jahren schickte Dongfang Electricial Machinery drei Frachter mit Sojabohnen um die halbe Welt. Mit den Naturalien zahlten die Chinesen dringend benötigte deutsche Werkzeugmaschinen zum Bau von Turbinen. Wenn Dongfang-Schiffe heute nach Übersee fahren, haben sie Chinas modernste Kraftwerkstechnik geladen.
Zhang Tiande, 52, der Chefingenieur von Dongfang, schreitet feierlich auf die große Werkshalle zu. Auch ranghöchsten Bossen von Chinas Staat und Partei führte Zhang hier, nahe Chengdu, der Hauptstadt der Provinz Sichuan, schon häufig Dongfangs Produktion vor: Hunderte Arbeiter schweißen, stanzen und schrauben an riesigen Turbinen für den Drei-Schluchten-Damm im Yangtze, aber auch an Maschinen für Wärmekraftwerke und Nuklearanlagen.
Zu tun hat Dongfang genug, das Unternehmen baut allein über ein Drittel von Chinas neuen Wasserkraftwerken. Das energiehungrige Land will bis 2010 seine Stromerzeugung um die Hälfte steigern.
Doch der Heimatmarkt reicht Dongfang, einem von Chinas drei Branchenriesen, inzwischen längst nicht mehr. Mit ihren billigen Produkten wollen die Chinesen auch nach Europa vordringen, um dort Konkurrenten wie Siemens und Alstom Aufträge abzujagen. »Von unserer Technologie her zählen wir uns weltweit zu den Besten«, prahlt Chefingenieur Zhang, »in Forschung und Entwicklung rücken wir in gewaltigen Sprüngen immer weiter.«
Die Aufholjagd fällt den Chinesen nicht schwer, denn ihr Know-how erhalten sie großteils von westlichen oder japanischen Firmen, und zwar legal: Um in China an staatliche Kraftwerksaufträge zu kommen, müssen ausländische Firmen oft als Subunternehmer lokaler Hersteller antreten und diesen dann wichtige Spitzentechnologien überlassen. Die Folge: Westliche Konzerne machen sich in China auf lange Sicht selbst überflüssig.
Dieser massenhafte Transfer von Technologie aus dem Westen wird noch verstärkt durch Joint Ventures mit westlichen Firmen - und durch hemmungsloses Abkupfern. Immer häufiger kaufen sie auch westliche Firmen und damit deren Knowhow auf.
Inzwischen aber setzen die chinesischen Strategen zunehmend auf eigene Entwicklungen. Mit gewaltigen Anstrengungen will China von der Werkbank der Welt zum innovativen Hightech-Labor aufsteigen.
Der Ehrgeiz des 1,3 Milliarden Menschen zählenden Landes kennt keine Grenzen. Als Symbol dafür schoss die Nation kürzlich schon zum zweiten Mal eine bemannte Rakete in den Weltraum. Das kollektive Ziel, von lauter Propaganda begleitet, ist klar: Das Reich der Mitte, das die Welt einst mit Erfindungen wie Kompass, Buchdruck oder Schießpulver beglückte, will an seine goldene Zeiten anknüpfen.
Um das hochgesteckte Ziel zu erreichen, mobilisiert das Land seine üppigste Ressource: die Menschen. 440 000 Ingenieure bilden die Universitäten des Landes jährlich aus. Da diese oft nur ein Fünftel der Gehälter westlicher Kollegen verdienen, verlagern immer mehr ausländische Konzerne auch Forschung und Entwicklung in die Weltfabrik China.
Schon heute lassen Neuigkeiten aus dem Riesenreich auch die Fachwelt im Westen aufhorchen: Im Februar kündigte China an, den weltweit ersten kommerziell genutzten Kugelhaufenreaktor bauen zu wollen. Bei diesem neuen, angeblich besonders sicheren Kernkraftwerkstyp wird Uranoxid nicht wie bisher in Brennstäben, sondern in tennisballgroßen Kugeln aus Grafit eingeschlossen.
Bei Autos strebt China ebenfalls nach Spitzentechnologie: Die Tongji-Universität in Shanghai etwa will gemeinsam mit dem heimischen Autoriesen Shanghai Automotive Industry ein Fahrzeug mit Brennstoffzellenantrieb entwickeln.
In der Informationstechnologie (IT) ruhen die Hoffnungen des Landes auf Huawei. Hierzulande können die Verbraucher mit diesem Namen noch so wenig anfangen wie mit einer chinesischen Waschmittelmarke - obwohl viele von ihnen mit ihm zu tun haben.
Die Geräte, die der Elektronikriese produziert, fallen im Alltag wenig auf, sind aber unverzichtbar, weil sie den Datenverkehr über Telefon und Computer steuern. Mit seinen intelligenten und gleichzeitig preiswerten Anlagen stieg Huawei zum gefürchteten Wettbewerber westlicher Spitzenmarken wie dem US-Hersteller Cisco auf.
Das Reich von Ren Zhengfei liegt am Rande von Shenzhen, der südostchinesischen Wirtschaftsmetropole. Vor 17 Jahren gründete er hier Huawei. Mehrheitlich gehört die Firma den Mitarbeitern, aber Ren, der medienscheue Ex-Offizier der Nationalen Befreiungsarmee, gibt die Visionen vor. Und die sind so kolossal wie die Firmenzentrale in Shenzhen.
Von der Autobahn führt eine eigene Ausfahrt in Huaweis Industriepark. Auf fast anderthalb Quadratkilometern hat Chinas Zukunft hier schon begonnen: An eleganten Parkalleen, benannt nach Nobelpreisträgern und berühmten Wissenschaftlern, ragen die schmucken Gebäude der Huawei-Zentrale aus Glas und Beton empor, mit modernen Laboratorien, teuren Testanlagen und einem idyllischen Wohnviertel für Angestellte - mit grünen Parks und Sportzentren.
In den Niederlanden, Frankreich und Großbritannien erhielt Huawei Aufträge zum Bau von Mobilfunknetzen, weil es maßgeschneiderte Technologie billiger und oft auch schneller liefert als die Konkurrenz. Rund 8000 Patente meldete Huawei nach eigenen Angaben bereits an, 3000 allein in diesem Jahr und 500 davon wiederum im Ausland; rund zehn Prozent seines Umsatzes investiert die Firma angeblich in Forschung und Entwicklung.
Über diesen Bereich wacht He Tingbo; sie trägt den Titel Vizepräsidentin, erzieht neben ihrem Job noch zwei Kinder und ist stets in Eile. Wie eine Lehrerin, die ihre eigene Klasse sucht, hetzt sie durch das weite Testzentrum, einen monumentalen Flachbau mit griechischen Säulen, breiten Wandelhallen und hohen Decken. Ständig muss He ihre Chipkarte an verschlossene Türen drücken, um weiterzukommen. Dann piepst es, und wieder öffnet sich vor ihr ein weiteres Labor mit Ingenieuren, die schweigend an ihren flimmernden Computern tüfteln.
Ähnlich habe sie auch mit Kollegen Chips entwickelt, sagt He, insgesamt über hundert, darunter einen Spezialchip für die Übertragung optischer Daten, der Huawei einen innovativen technischen Durchbruch beschert habe.
Doch was heißt schon »innovativ« in einer Branche, die oft vorhandene Technologien weiterentwickelt oder auf die speziellen Bedürfnisse von Großkunden zuschneidet? Darüber streitet der chinesische Aufsteiger bisweilen mit Wettbewerbern. Vor zwei Jahren verklagte der US-Konzern Cisco den chinesischen Konkurrenten Huawei, weil der angeblich Patente für Router-Produkte verletzt hatte. Darauf ließ Huawei die Geräte wieder aus den Regalen der Geschäfte nehmen.
Gleichwohl spornt Huawei mit seinem Wachstum unzählige kleinere chinesische Gründerfirmen an, seinem Vorbild nachzueifern, gerade in Shenzhen. Die Zeiten, als Fabriken hier nur billiges Plastikspielzeug für Hongkong oder Taiwan produzierten, sind längst vorbei.
Allenthalben wachsen neue Forschungsstätten aus der Erde - zusätzlich zu 53 bereits bestehenden staatlichen Parks. »Wir müssen möglichst viele Schlüsseltechnologien und mehr geistiges Eigentum erwerben«, erklärt Wissenschaftsminister Xu Guanhua den Zweck des gigantischen Bauprogramms.
In den USA, und zunehmend auch in Europa, wecken die Chinesen mit ihrem Ehrgeiz tiefe Ängste. In fünf Jahren werde China einen höheren Anteil seines Bruttoinlandsprodukts in Forschung und Entwicklung stecken als die EU, warnt EU-Forschungskommissar Janez Potocnik düster. Das Land erhöhe seine Ausgaben für Forschung und Entwicklung jährlich mit zweistelligen Raten. »Wenn jetzige Trends sich fortsetzen«, sagt Potocnik, »wird Europa die Gelegenheit verpassen, zu einer führenden globalen wissensgestützten Wirtschaft aufzusteigen.«
Europa als piekfeines Hightech-Labor - und China als schwitzende Werkbank? Wer Peking besucht, muss erkennen, dass
solche Träume längst überholt sind. Denn ein Juwel staatlicher chinesischer Förderung glänzt hier schon prächtig am Rand der Hauptstadt: der Life Science Park. Hier weihte im vergangenen Jahr die Biotech-Firma CapitalBio ihre neue Zentrale ein.
Firmenchef Cheng Jing, 42, drückt Besuchern vor Stolz gleich zwei Visitenkarten in die Hand - eine weist ihn als Manager aus und die zweite als Professor der renommierten Tsinghua Universität in Peking. Im Keller der Uni startete der aus den USA zurückgekehrte Biologe vor nur sechs Jahren mit einer Hand voll Kollegen die Firma. Nun residiert CapitalBio mit 400 Mitarbeitern in einem Glaspalast mit Panoramablick auf die Berge um Peking.
Rund zehn Millionen US-Dollar gewährte Peking Cheng an staatlichen Mitteln. Das Geld scheint gut angelegt: Ein von CapitalBio selbstentwickelter Scanner zur Analyse von Viren oder Biochips wird inzwischen auch in Europa erfolgreich vertrieben. Die Firma verfügt bereits über sechs US-Patente, 64 weitere Eintragungen hat CapitalBio weltweit beantragt. »Unser Land hebt unaufhaltsam ab vom niedrigen Niveau der Billigfabrik«, frohlockt Cheng.
Manager wie Cheng sind der Stolz der chinesischen Staats- und Parteiführung, auch vor Präsident Hu Jintao durfte der ernste Professor mit der hohen Stirn über seine Biochip-Technologie berichten. In etwa zwei Jahren will Cheng die Aktien von CapitalBio mit dem Segen der Partei an der Hightech-Börse Nasdaq in New York einführen lassen.
Etwa 20 Prozent seines Aktienkapitals will CapitalBio Mitarbeitern vorbehalten. In Form von Aktienoptionen will die Firma brillierenden Auslands-Chinesen wie Cheng die Rückkehr in die Heimat vergolden. Denn auch Hightech-Manager verdienen hier nur einen Bruchteil dessen, was im Westen üblich ist. Was China fehle, seien allerdings talentierte Manager, um die Erfindungen zu vermarkten, sagt Cheng. Er ist Realist: »Bis unser Land eine große Hightech-Nation wird, brauchen wir noch 30 bis 40 Jahre.«
Und sie brauchen Leute wie Wang Wenjing, 41. Er arbeitete einst in der Finanzbehörde von Peking, dann gründete er 1988 mit einem Partner, einem PC und etwa 5000 Euro Kredit UFSoft - eine Firma für Buchhaltungs-Software, die jetzt Ufida heißt. Inzwischen herrscht Wang über Chinas größten Hersteller von Firmen-Software mit 5000 Mitarbeitern. Aber Wang will weiterwachsen: In seiner Zentrale in Peking hat er das Modell seines geplanten neuen Software-Parks im Norden der Hauptstadt aufgestellt. Ende kommenden Jahres will Wang bereits in einen Teil des 45 Hektar großen Geländes ziehen - dort sollen später einmal 12 000 Angestellte arbeiten. Denn Wang, der vor Unruhe ständig mit den Knien wippt oder per Handy dringende SMS-Botschaften verschickt, hat noch Großes vor: Bis 2010 soll Ufida unter die 50 größten Software-Hersteller der Welt aufrücken.
In China geht vieles sehr schnell. Dort, wo heute im Stadtteil Pudong der Shanghaier Software-Park entsteht, grasten vor zehn Jahren noch Büffel; nun entwickelt sich hier ein kleines Silicon Valley aus edlen Ziegelbauten; den Park zieren Skulpturen mit Hightech-Motiven: Eine Figur aus Stein unterweist ein Kind am Laptop. Von den Dächern leuchten Weltmarken der Elektronik: Sony, Motorola oder Infosys.
In diesem Ambiente treiben auch Zhao Qiang und Hu Hefu die chinesische Software-Industrie voran. Die beiden Manager tauschten langjährige lukrative Karriere-Jobs in Japan gegen die Rolle als Gründer in der Heimat ein. Ihre Firma Codeasy entwickelt Software-Plattformen für Handy-Spiele sowie Steuerprogramme für Hochgeschwindigkeitszüge. Noch steckt Codeasy in den Anfängen, ein Start-up eben. Das karge Großraumbüro - 74 Software-Entwickler hocken in schmucklosen Waben - hat Codeasy günstig vom Software-Park gemietet; die teuren Testgeräte finanziert ebenfalls der Staat. Erste Kontakte mit westlichen Mobilfunkbetreibern seien sehr ermutigend, sagt Zhao, denn seine Firma kann ihre Software um ein Fünftel billiger anbieten als japanische Konzerne.
Doch niedrige Software-Preise reichen nicht. Das spüren die Chinesen auch bei dem Versuch, nach dem Vorbild Indiens westliche Firmen dazu zu bringen, die Entwicklung ganzer Software-Systeme nach China auszulagern. Bei dieser Art von »Outsourcing« hemmen den Standort China bislang starke Nachteile: schlechte Englisch-Kenntnisse, fehlender Schutz von geistigem Eigentum sowie die aufdringliche Überwachung des Internet durch den chinesischen Staat.
Immerhin: Bei arbeitsaufwendigen Teilprozessen überwinden immer mehr westliche Firmen ihre Bedenken und lassen die nötige Software preiswert in China austüfteln, sagt Andreas Schallwig von Avenit Software in Shanghai. Immer mehr deutsche Spezialisten kämen nach China, um vor Ort Personal anzulernen.
Das ist ein Anfang, aber aus Sicht der Strategen in Peking darf sich China nicht mit der Rolle des billigen Zuarbeiters für westliche Konzerne zufriedengeben. Massiv drängt der Staat ausländische Firmen daher, nach Millionen Billigjobs nunmehr auch Forschung und Entwicklung ins Reich der Mitte zu verlegen. Mit wachsendem Erfolg: Rund 600 Konzerne - von Siemens bis zu Microsoft - haben in China Forschungszentren aufgebaut, jährlich kommen 200 weitere hinzu.
Auch in der Mobilfunkindustrie treibt Peking den Transfer von Know-how voran: Mit rund 380 Millionen Nutzern ist China schon jetzt der größte Markt für Handys; zig Milliarden Euro investierten ausländische Hersteller dort seit dem Jahr 2000. Trotz erfolgreicher Aufholjagd chinesischer Hersteller wie Ningbo Bird behaupten allerdings Westfabrikate wie Nokia und Motorola weiterhin den Markt.
Um der heimischen Industrie zum Anschluss zu verhelfen, mobilisiert Peking die künftige Mobilfunkgeneration (3G). Über einen eigenen chinesischen 3G-Standard, »TD-SCDMA«, wollen sie westliche Konzerne zwingen, sich mit heimischen Herstellern wie Huawei zusammenzutun, die für diesen Standard Produkte entwickeln sollen. So gründete Siemens bereits ein Joint Venture mit Huawei; Konkurrent Ericsson tat sich mit der chinesischen Firma ZTE zusammen.
In der Unterhaltungselektronik wollen die Chinesen den Ausländern ebenfalls die
Macht über ihren Riesenmarkt langfristig wieder entreißen, und zwar mit Hilfe eines eigenen Standards für die DVD der Zukunft. Der Mann, der den Schritt des Reichs der Mitte zur souveränen Hightech-Nation beschleunigen soll, heißt Lu Da. Sein Forschungsinstitut in Pekings elitärer Tsinghua-Universität hat den neuen Standard mitentwickelt. Dabei handelt es sich nur um eine geringfügige Abwandlung des im Ausland bekannten HD-DVD-Standards.
Doch wenn Lu Da von seinem Arbeitszimmer im 27. Stock über Chinas Hauptstadt blickt, denkt er weniger an technische Details als an die Industriepolitik seines Landes: Da unten, im smogverhangenen Pekinger Stadtdschungel werden 2008 die Olympischen Spiele stattfinden, und eben zu diesem symbolischen Datum will China seinen neuen Standard einführen - und sich vom Joch ausländischer Elektronikkonzerne befreien. »Endlich werden wir dann ein Wort mitreden bei der Fertigung von DVD-Geräten, die bislang vom Ausland monopolisiert wird«, sagt Lu und strahlt.
Wie bitte? Beherrschen chinesische Hersteller nicht bereits den Markt für DVD-Spieler, die auch hierzulande zu Schleuderpreisen verkauft werden? Gewiss, doch die Patente für die Kerntechnologie der Geräte halten ausländische Unternehmen; pro Gerät müssen die Chinesen etwa 20 Dollar - das sind rund 40 Prozent ihrer Herstellungskosten - an ausländische Lizenzgeber abführen.
Mit ihrem schon laufenden Versuch, einen eigenen DVD-Standard namens EVD durchzusetzen, kommen die Chinesen allerdings trotz massiver staatlicher Unterstützung nur schleppend voran. Doch die Planer geben nicht auf: Getreu ihrem nächsten Fünfjahresplan streben sie nach »eigenem geistigen Vermögen und dem Besitz von Marken«.
Der Staat unterstützt die Aufholjagd der heimischen Industrie, wo immer er kann. So bereitet Peking ein neues Gesetz vor, das staatlichen Institutionen und Betrieben die Verwendung heimischer chinesischer Software vorschreibt.
Doch lässt sich der Vorsprung westlicher Hightech so aufholen - per Dekret von oben? Das glauben auch die Planer in Peking nicht, und deshalb fahnden sie verstärkt nach technologischen Nischen, die der Westen bisher eher vernachlässigt.
Mao Guojun, 45, hat mit seiner Firma Junduoli eine solche Nische besetzt. Besucher am Firmensitz in Shenzhen empfängt Mao in einem Saal mit grün-weißen Kunststoffsofas, es funkelt und blitzt wie in einer Disco: Die Deckenleuchten verfärben sich nahtlos in allen Farben, von Violett bis Giftgrün. An den Wänden flackern Leuchtreklamen - und das soll so sein: Junduoli ist einer von rund 600 Herstellern von Leuchtdioden (LED).
Mao hält eine Leuchte in die Höhe, sie besteht aus den winzigen Dioden. Solche Leuchten verbrauchen bis zu 80 Prozent weniger Energie als herkömmliche Lampen. Und für China, das zwölf Prozent seines Stroms für Beleuchtung verbraucht, ist das ein wichtiges Argument.
Die LED-Technologie stammt aus Japan und den USA. Anfangs wurden solche Leuchten nur in wenigen Produkten, etwa Verkehrsampeln, verwandt. Doch jetzt treibt Peking die energiesparende neue Technologie durch staatlich geförderte eigene Forschung nach Kräften voran. Und auch Mao setzt darauf, dass er bei Weiterentwicklung und Vermarktung der LED-Technologie die Nase vorn haben wird.
In seinem Betrieb kommen Maos 600 Arbeiter mit der Produktion kaum nach: Aufgereiht sitzen sie an Mikroskopen und stecken die winzigen Glasdioden auf die Schaltplatten, später entstehen daraus riesige Werbetafeln oder Leuchtstreifen. In Metropolen wie Shanghai prägen sie bereits das Stadtbild. Mit Hilfe der bunten LED-Leuchten verwandeln sich betongraue Bürotürme und Brücken abends in magische Phantasiegebilde.
»LED lässt China erstrahlen«, jubelte das staatliche Wirtschaftsmagazin »Zhongguo Keji Caifu« unlängst in seiner Titelstory.
Wenn es nach Junduoli-Boss Mao geht, sollen auch Deutschlands Städte künftig schöner, bunter funkeln. Seine Techniker tüfteln bereits an Produkten für deutsche Kunden, im Frühjahr will Mao den neuen Absatzmarkt selbst erkunden.
WIELAND WAGNER