Die reichsten Deutschen: "Alle können alles kaufen" - DER SPIEGEL
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Die reichsten Deutschen "Alle können alles kaufen"

Mit der aus Amerika importierten Idee der SB-Warenhäuser machte der Senior ein Vermögen. Die Söhne von Allkauf-Gründer Eugen Viehof engagieren sich unternehmerisch eher nach Lust und Laune und verwalten die 3,2 Milliarden Mark, auf welche die Familie geschätzt wird.
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Hamburg - Am Abend nach dem großen Deal sei ihr Vater bester Stimmung gewesen, berichten die Söhne. Er habe eine gute Flasche Rotwein genossen und sei zufrieden gewesen. Eugen Viehof senior hatte verkauft und für seine Mönchengladbacher Allkauf-Gruppe dem Vernehmen nach 2,4 Milliarden Mark kassiert.Anfang 1998 überließ der Firmengründer sein Lebenswerk dem Metro-Konzern: 94 SB-Warenhäuser vorwiegend in Nordrhein-Westfalen und im Osten der Republik, dazu über 150 Reisebüros sowie etwa 90 Fotofachgeschäfte von Franchise-Nehmern und schließlich die auf Fertighäuser spezialisierte Firma Allkauf Haus. Im Ganzen eine Unternehmensgruppe mit über 12.000 Mitarbeitern, die im Jahr zuvor rund fünf Milliarden Mark erlöst hatte. Allkauf oder "Alle können alles kaufen" - unter diesem Motto schickt sich Eugen Viehof 1968 an, ein in den USA bereits weit verbreitetes Vertriebskonzept auch hier zu Lande zu etablieren. Heinsberg und Düren sind die zwei ersten Standorte für seine Selbstbedienungswarenhäuser. Hier bietet Viehof seiner Kundschaft in großen Verkaufsräumen ein breites Warensortiment zu günstigen Preisen. Man bedient sich selbst und zahlt zentral an einer Kasse.Die Deutschen finden Gefallen am Selbstbedienungseinkauf und Viehof kann über Jahre kontinuierlich zulegen. Als 1989 die Mauer fällt, expandiert SB-Pionier Viehof als einer der Ersten in die neuen Bundesländer. Zugleich kauft er seinem langjährigen Weggefährten Gerhard Ackermann dessen Allkauf-Anteile ab - für rund 700 Millionen Mark. Fortan zeichnen der Senior und seine vier Söhne Eugen junior, Michael, Klaus und Bernd allein für das Geschäft verantwortlich.In den neunziger Jahren wird dieses zunehmend schwieriger. Die Margen im Lebensmitteleinzelhandel - ein Kerngeschäftsfeld auch der Viehofs - sind eng geworden. Die Gewinne lassen sich nur noch durch Wachstum steigern, denn nur die "Big Player" handeln bei ihren Zuliefern lukrative Konditionen aus. Der Viehof-Clan, inzwischen steht Michael Viehof an der Spitze des Unternehmens, versucht eine Übernahme der "Wertkauf"-Gruppe.Der Filius scheitert. Mit dem Angebot des Branchengiganten Wal-Mart, der soeben nach Europa drängt, kann er nicht mithalten. Andererseits verschafft der Markteintritt der Amerikaner potenziellen Verkäufern eine glänzende Verhandlungsposition. Die Viehofs nutzen die Gunst der Stunde, in der auch die Konkurrenz ihre Stellung durch Akquisitionen zu sichern oder auszubauen versucht. Metro erhält den Zuschlag. Das Geld aus dem Milliarden-Deal fließt in die Vibro-Beteiligungsgesellschaft. Sie verwaltet das Vermögen der Familie. Sie stellt aber auch die Mittel zur Verfügung, mit denen die "Viehof Brothers" neue unternehmerische Engagements finanzieren. Und die sind vielfältig.Eugen junior versucht seit einiger Zeit mit Fahrrad-Fachmärkten zu reüssieren. Hobby-Flieger Michael will mit einer kleinen Airline namens EAE European Air Express durchstarten. Bernd und Klaus schließlich haben die Allrounder Winter World, jene vermeintlich "größte Indoor-Skihalle Europas" in Neuss, zu ihrem Steckenpferd gemacht.Alle Vibro-Projekte befinden sich noch in der Anlaufphase. Den Beweis, sich auch auf lange Sicht zu rechnen, müssen sie erst noch erbringen. Aber mit dem Mega-Deal von Viehof senior im Rücken, der der Familie Platz 49 im mm-Ranking der 100 reichsten Deutschen sichert, ist die gute Flasche Rotwein für die Viehof-Brüder sicher heute schon drin. Christian Keun, manager-magazin.de