Die reichsten Deutschen: Dem "Bleyweißstefft" sei Dank - DER SPIEGEL
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Die reichsten Deutschen Dem "Bleyweißstefft" sei Dank

Die Alchimisten mühten sich vergeblich, schmutziges Graphit in kostbare Diamanten zu verwandeln. Ein findiger Schreiner namens Faber hingegen umhüllte den billigen Kohlenstoff schlicht mit einem Holzmantel. Sein Bleistift hat die Faber-Castells schwerreich gemacht.
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Hamburg - Kaspar Faber würde es gewiss den Atem verschlagen: Den schlichten "Bleyweißstefft", der anno 1761 seine Werkstatt im Mittelfränkischen verließ, haben seine Nachfahren zu einem Schreibutensil der Luxusklasse "veredelt". Die Krönung: Anlässlich des 240-jährigen Firmenjubiläums legt Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell eine Kleinserie des "Perfekten Bleistifts" auf - mit Brillianten besetzt, einem Endstück aus Weißgold, für 18.000 Mark das Stück.

Faible für dezenten Luxus

Der 59-jährige Jurist, dessen Familie 1862 vom bayerischen König Maximilian II. in den Adelsstand erhoben worden ist, macht aus seinem Hang zum Exklusiven keinen Hehl. "Graf Toni", wie er unter Mitarbeitern kurz genannt wird, schätzt sein handgemachtes Edel-Chronometer, ebenso die nach Maß gefertigten Schuhe und Anzüge. "Protziger Luxus" indessen ist ihm zuwider. Er mag weder das "Schrille" noch das "Exaltierte".

Im eigenen Unternehmen, dem er seit nunmehr 22 Jahren vorsteht, verkörpert der stets stilsichere und wortgewandte Kosmopolit gleichsam die Hinwendung zum "Premiummarkt". Er schrumpfte das Produktsortiment, machte es kleiner - und natürlich feiner. Mit ihm begann man zu unterscheiden zwischen Schreibgeräten für den Fachhandel und Stiften für die Selbstbedienungsmärkte. Eine "Edellinie" setzte er gegen den Widerstand der Traditionalisten im Management durch und verschaffte Faber-Castell damit international einen enormen Imagegewinn.

In Sachen Stifte einsame Spitze

Weltweit Furore gemacht hatte ein anderer Faber schon über 100 Jahre zuvor. Lothar Faber (1817-1896) verbesserte seinerzeit die Herstellung von Bleistiften entscheidend (Graphit-Ton-Verfahren) und ermöglichte erstmals unterschiedliche Härtegrade. Die Schreib- und Zeichenstifte der Familie wurden weit über die Grenzen Deutschlands hinaus berühmt. Unter der Ägide Wolfgang Antons stieg dann das lange schon weltbekannte Traditionshaus endgültig auch zum Weltmarktführer auf. Die 5500 Mitarbeiter der Gruppe (Umsatz 1999: 555 Millionen Mark) fertigen jährlich mehr als 1,8 Milliarden holzgefasste Stifte.

Was wünscht sich jemand wie Graf von Faber-Castell, der ein Familienschloss, ein florierendes Unternehmen, ein Vermögen von rund 900 Millionen Mark besitzt? "Mehr Zeit" und "noch einmal einen Törn auf einer Hochseeyacht".

Christian Keun