Die reichsten Deutschen: Der Kobold-Clan - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Die reichsten Deutschen Der Kobold-Clan

Im Reich der Kobolde regiert die Familie Mittelsten Scheid. Ihr Vermögen von rund 1,7 Milliarden Mark verdanken die Vorwerk-Besitzer vor allem der "Hausfrau treuestem Begleiter".
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Der Kobold, so die Legende, ist ein hutzliger kleiner Hausgeist, schelmisch zumeist. Genaueres weiß man nicht. Dieses Bild zu präzisieren, ziehen seit Jahrzehnten Heerscharen von Vorwerk-Vertretern durchs Land, um in zahllosen "Erlebnisvorführungen" klarzustellen: Der Kobold ist ein "multifunktionaler Staubsauger". Die annähernd 39.000 Mitarbeiter des Konzerns erzielten 1999, einem nach Angaben der Vorwerk-Gruppe "schwierigen Jahr", weltweit rund 2,4 Milliarden Mark Umsatz. Damit ist der Mitte 2001 von der Führung des Traditionshauses in den Beirat wechselnde Firmenlenker noch ein gutes Stück von jenen vier Milliarden Mark entfernt, die er vor knapp zwei Jahren als Umsatzmarke für die nähere Zukunft gesetzt hat. Ursprünglich hatte Mittelsten Scheid mit der Leitung der Firma gar nichts im Sinn. 1965 wollte der promovierte Jurist eben daran gehen, sich in Völker- und Staatsrecht zu habilitieren, als er nolens volens der Aufforderung seines Onkels Erich Mittelsten Scheid folgte. Getreu dem Leitsatz der Familie, dass "die Firma Vorrang vor den Bedürfnissen der Inhaber hat". Mit anderen Worten: Ein Mittelsten Scheid hat dem Unternehmen zu dienen, nicht umgekehrt. Das bedeutet für Jörg Mittelsten Scheid heute vor allem auch eine restriktive Ausschüttungspolitik. Maximal zehn Prozent werden Jahr für Jahr an die Gesellschafter - allesamt Familienmitglieder - verteilt. 90 Prozent bleiben in der Firma. Die gelebte Zurückhaltung in Sachen Ausschüttung ist für den Chef nur konsequent: "Die meisten unserer Gesellschafter sind in ihre Rolle reingeboren worden. Sie leisten nichts für das Unternehmen. Deshalb haben sie auch keine Ansprüche."Wer nach Jörg Mittelsten Scheid "erster Diener" des Hauses Vorwerk werden wird, ist noch unklar. Der Familiennachwuchs gilt als noch "zu jung." Was auf jeden Fall über den scheidenden Chef hinaus im Hause Vorwerk Bestand haben wird, ist das Faible fürs Geschäft an der Haustür. Christian Keun, manager-magazin.de